Die Suchmaschine des Deutschen Bildungsservers für Weiterbildungskurse
IWWB und DIPF-Logo

Alternde Belegschaften: Nur sieben Prozent der Unternehmen bieten Weiterbildung für Ältere an

Die Wirtschaftskrise ist allgegenwärtig. Arbeitsmarktexperten rechnen mit einer deutlichen Zunahme der Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr. Dennoch kann es für Unternehmen gute Gründe geben, sich bei Stellenbesetzungen nicht zurückzuhalten, sondern antizyklisch (auch) auf ältere Mitarbeiter zu setzen und sie auch schon bei der betrieblichen Weiterbildung stärker mit einzubinden. 

Bislang sind viele Unternehmen nur unzureichend auf den demographischen Wandel, d.h. konkret: auf Facharbeitermangel und alternde Belegschaften vorbereitet. Altersstrukturanalysen gehören noch längst nicht zum Standard der Personalpolitik, damit bleiben der Risikofaktor »Altersaufbau« meist unbeachtet, und »die Vorteile altersgemischter Arbeitsgruppen oft noch ungenutzt«, wie es in einer Commerzbank-Studie heißt, für die 4.000 Mittelständler und deren Geschäftsführer befragt wurden. Fast 80 Prozent fordern darin einen »Abschied vom Jugendkult«, aber auch eine größere Bereitschaft, bis ins höhere Alter zu arbeiten und zu lernen.

Doch diese Forderungen stehen in einem eklataten Widerspruch zur beobachtbaren Praxis, denn Unternehmen setzen noch immer einseitig auf die Qualifikation der Jungen, selten auf Perspektiven für Ältere. 

Nach der zitierten Studie reagiert der Mittelstand auf die Anforderungen einer alternden Gesellschaft geradezu reflexartig mit Weiterbildung der jungen Belegschaft. Demografie wird lediglich als Bildungsaufgabe verstanden. Weiterbildungsangebote und die Entwicklung von Laufbahn- oder Karrieremodellen für ältere Mitarbeiter stellen jedoch eine Ausnahme dar. Die Vorteile altersgemischter Arbeitsgruppen bleiben oft noch ungenutzt. Die zentrale Frage, welche Perspektiven die wachsende Gruppe der Arbeitnehmer, die nicht mehr zu den Jungen zählt, im Unternehmen haben kann, wird also mehrheitlich vernachlässigt. 

85 Prozent der Unternehmen reagieren auf die alternde Gesellschaft durch Weiterbildung ihrer jüngeren Mitarbeiter. Sie verstehen Demografie offensichtlich als Bildungsaufgabe und ihre Sorge gilt dem optimierten Einsatz der knappen Personalressource »Junior Talents«. Die Weiterbildung älterer Mitarbeiter nach der Devise »lebenslanges Lernen« wird von 44 Prozent und damit sehr viel seltener betrieben.

In einem Artikel der Financial Times Deutschland (FTD) beschäftigt sich Roland Karle mit dieser Problematik und zitiert mehrere Weiterbildner und Personalverantwortliche mit deren Einschätzung, dass Menschen über Fünfzig nicht weniger, sondern nur »anders leistungsfähig« seien als ihre jüngeren Kollegen. Der Autor betont aber auch das unterschiedliche Umgehen mit modernen Lerntheorien: Während die Jüngeren unbefangener damit umgingen, stünden Ältere eher dem individuellen Lernen nahe. Sein Fazit: Es gibt eine großen Nachholbedarf an Weiterbildung für ältere Mitarbeiter, denn »nur jeder Fünfte der über 55-jährigen deutschen Beschäftigten hat sich bisher weitergebildet. Nur sieben Prozent der Unternehmen bieten Weiterbildung für Ältere an«. (06.10.2009, prh)

Zum FTD-Artikel...

Zur Studie: Abschied vom Jugendwahn?

 

IWWB vernetzt

Diese Seite teilen auf

f Facebook t Twitter

Immer aktuell informiert per

f Facebook t Twitter

o)) RSS

Zum Seitenanfang