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Neuigkeiten & Termine

Bildungsurlaub: Wie Arbeitnehmer ihre Rechte wahrnehmen können

Stiftung Warentest

Die Möglichkeit, sich für eine berufliche Weiterbildung von der Arbeit freistellen zu lassen und hierfür Bildungsurlaub/Bildungsfreistellung in Anspruch zu nehmen, wird von Arbeitnehmern gern in Anspruch genommen. Doch nicht in allen Bundesländern liegen die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür vor.

Doch auch, wenn dies gesetzlich geregelt ist, bleibt immer noch die Frage, was als Bildungsurlaub anerkannt ist, welche Voraussetzungen für eine Teilnahme vorliegen müssen und ob diese Bildungsfreizeit auch immer wie gewünscht wahrgenommen werden kann.

Die Stiftung Warentest hat sich in einem aktuellen Special dieses Themas angenommen und geht u.a. der Frage nach, wo eine solche Bildungsfreistellung möglich ist und wie ein entsprechender Kurs gefunden werden kann. Wie sieht es mit der Weiterzahlung des Gehalts aus, falls die Teilnahme mit dem Arbeitgeber abgestimmt und eine entsprechende Karenzzeit vereinbart worden ist? Welche arbeitsrechlichen Aspekte gilt es zu berücksichtigen?

Diese Themen und auch die unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer sind Gegenstand des Bildungsurlaubs-Specials der Stiftung Warentest.

(27.05.2016, prh)

Bildungsurlaubs-Special der Stiftung Warentest

 

Stipendien für Flüchtlinge

DBU

DBU fördert Weiterqualifikation im Umweltschutz 

Erstmalig vergibt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) Stipendien an Hochschulabsolventinnen und -absolventen, die nach Deutschland geflüchtet sind und zum Beispiel aus Syrien kommen. Das jetzt gestartete Bewerbungsverfahren erweitert das laufende Stipendienprogramm für Hochschulabsolventen aus den Staaten Mittel- und Osteuropas.

Überdurchschnittliche Diplom- oder Masterabschlüsse und gute Deutsch- oder Englischkenntnisse sind Voraussetzungen für die Vergabe. Den Stipendiaten wird ein sechs bis zwölf Monate dauernder Forschungs- und Weiterbildungsaufenthalt an deutschen Forschungseinrichtungen, Umwelt- und Naturschutzbehörden oder Unternehmen ermöglicht, um Erfahrungen auf den verschiedensten Gebieten des Umweltschutzes zu sammeln und letztlich in ihren Heimatländern umzusetzen. Die Stipendien beginnen im November mit einer vierwöchigen Einführungsphase in Osnabrück inklusive Deutschintensivkurs, Exkursions- und Kulturprogramm.

Mit dem neuen Stipendienprogramm ermöglicht die DBU einerseits hochqualifizierten Hochschulabsolventen eine berufliche Weiterbildung und die Integration in Deutschland. Andererseits werden sie Teil eines länderübergreifenden Expertennetzwerks, das für den Erfahrungsaustausch und zur Lösung von Herausforderungen im Umwelt- und Naturschutz aufgebaut wurde. »Wichtig ist uns darüber hinaus, dass die neuen Stipendiaten Erfahrungen, die sie zu innovativen Umweltschutztechnologien gemacht haben, in ihr Heimatland tragen und beim Wiederaufbau ihres Landes anwenden«, so Prof. Dr. Werner Wahmhoff, stellvertretender Generalsekretär und Abteilungsleiter für Umweltforschung und Naturschutz bei der DBU.

Wahlweise in deutscher oder englischer Sprache können sich Interessierte für eines der insgesamt zehn neuen Stipendien bis zum 20. Juli 2016 online bewerben. Die erforderlichen Sprachkenntnisse sind durch ein Sprachschulzertifikat beziehungsweise -zeugnis oder eine Beurteilung von einem Sprachlehrer nachzuweisen. Zudem muss ein Asylantrag in Deutschland gestellt worden sein. Bewerber aus sicheren Herkunftsländern können nicht berücksichtigt werden. Jede Bewerbung muss die ausführliche Beschreibung einer Projektidee zum Umwelt- oder Naturschutz enthalten.

Die DBU begrüßt Bewerbungen von Naturwissenschaftlern, Ingenieuren, Agrarwissenschaftlern, Ökonomen, Juristen, Pädagogen und anderen Fachdisziplinen, sofern sie sich vertieft mit einem Thema des Umwelt- oder Naturschutzes befassen möchten. Das Stipendium ist nicht für Personen bestimmt, die eine Doktorarbeit oder ein Studium an einer deutschen Hochschule durchführen möchten.

Nach einer Vorauswahl werden positiv eingeschätzte Bewerber zu einem Auswahlgespräch im September 2016 nach Osnabrück eingeladen, das wahlweise in deutscher oder englischer Sprache stattfindet. Über die Stipendienvergabe entscheidet eine Jury. Stipendiaten erhalten 1.060 Euro im Monat. Zusätzlich übernimmt die DBU die Kosten für eine Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung. Zunächst werden sechs Monate bewilligt. Die Verlängerung des Projektes für weitere sechs Monate ist grundsätzlich möglich.

Für das Umsetzen der Projektidee ist ein Praktikumsplatz in Deutschland erforderlich. Dieser wird in der Regel in Abstimmung mit den Stipendiaten durch die DBU in einer Forschungseinrichtung, einem Unternehmen oder einer Umweltbehörde organisiert. Eigeninitiative von Bewerbern, die ihren Praktikumsplatz selbst organisieren, wird ausdrücklich begrüßt. Das Stipendium beginnt mit einem etwa vierwöchigen Deutsch-Sprachkurs in Osnabrück. Enthalten ist ein mehrtägiges Einführungsseminar, auf dem wichtige organisatorische Details geklärt werden. Die DBU und die Fachbetreuer am Praktikumsort begleiten die Stipendiaten während der gesamten Stipendienzeit, auch um Integration und Sprachentwicklung zu fördern. Während des Stipendiums organisiert die DBU Seminare, auf denen die Stipendiaten ihre Forschungsthemen und erste Ergebnisse vorstellen können. Weitere Angebote sind die Sommerakademie in St. Marienthal/Ostritz und die Verleihung des Deutschen Umweltpreises.

Ansprechpartner:
- Christiane Grimm, Tel. 0541. 96 33- 351, c.grimm@dbu.de
- Dr. Nicole Freyer-Wille, Tel. 0541. 96 33- 352, n.freyer@dbu.de

Hintergrund
Bereits seit 1998 vergibt die DBU Stipendien an hoch qualifizierte Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen aus Mittel- und Osteuropa (MOE) mit dem Ziel der beruflichen Weiterqualifikation zur Lösung von Aufgaben im Umwelt- und Naturschutzbereich des Heimatlandes. Zurzeit sind folgende Länder einbezogen: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Estland, Kroatien, Kosovo, Lettland, Litauen, Mazedonien, Montenegro, Oblast Kaliningrad, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Jährlich werden 60 Stipendiaten aus MOE-Ländern gefördert. Bisher wurden in diesem Programm bereits mehr als 875 Stipendiatinnen und Stipendiaten unterstützt. (25.05.2016, prh)

 

200.000 mal Auslandserfahrung

EuroPass

Europass Mobilität durchbricht 200.000er-Marke 

Im April 2016 wurde der Europass Mobilität in Deutschland zum 200.000sten Mal beantragt. Damit schrieb das im Oktober 2005 eingeführte Dokument seine Erfolgsgeschichte fort, zugleich ist Deutschland europaweit Spitzenreiter in Sachen Europass Mobilität.

Der Europass Mobilität dokumentiert im europäischen Ausland gesammelte Lernerfahrungen. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Praktikum, einen Abschnitt der beruflichen Aus- und Weiterbildung oder ein Auslandssemester im Studium handelt. Das Dokument macht nachvollziehbar, welche Fähigkeiten Lernende in dieser Zeit erworben haben: von beruflichen, organisatorischen oder sozialen Kompetenzen bis zu Sprach- und IT-Kenntnissen.

Grund für die deutsche Erfolgsgeschichte des Dokuments ist unter anderem, dass der Weg zum Dokument einfach ist. Ausstellende Institutionen können den Europass Mobilität über eine bedienerfreundliche Datenbank beantragen. Sofern bestimmte Qualitätskriterien erfüllt sind, können alle, die einen Lernaufenthalt im europäischen Ausland absolviert haben, das Dokument problemlos erhalten – zum Beispiel Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende oder Teilnehmende der Erwachsenenbildung.

Die Aussagekraft des Europass Mobilität schätzt auch die Wirtschaft. Marie-Christine Novaro koordiniert bei der Deutschen Telekom, Telekom Ausbildung, die Auslandseinsätze für Auszubildende und Studierende. Sie rät jungen Leuten, das Dokument zu nutzen, weil es mehr als ein Zeugnis sei. Gerade im internationalen Kontext schaffe es Transparenz und ermögliche eine Vergleichbarkeit der Kenntnisse und Kompetenzen. Auch Karin Drda-Kühn macht sich stark für den Europass Mobilität. Die Geschäftsführerin von Kultur und Arbeit ist »European Ambassador for Female Entrepreneurship« der Europäischen Kommission und wurde vom Bundeswirtschaftsministerium als eine der »Vorbildunternehmerinnen« in die Initiative »Frauen unternehmen« berufen: »Ich kann nur alle ermutigen, den Pass zu verwenden. In unserer Einrichtung ist der Mobilitätspass ein dicker Pluspunkt für Bewerbungen«.

Der Europass ist ein kostenloser Service der Europäischen Union. Er fördert die europäische Mobilität und unterstützt Bürgerinnen und Bürger bei der Darstellung ihrer Qualifikationen und Kompetenzen im Arbeits- und Lernumfeld. Dabei bietet er die Möglichkeit, Lernergebnisse zu dokumentieren und sichtbar zu machen. Er besteht aus insgesamt fünf Dokumenten: dem Europass Lebenslauf, dem Europass Sprachenpass, den Europass Zeugniserläuterungen sowie dem Europass Mobilität und dem Europass Diploma Supplement.

(24.05.2016, prh )

Weitere Informationen

 

Studie: »Weiterbildung wichtiger als Gehaltserhöhung«

PFH Private Hochschule Goettingen
Unter den eingesetzten Mitarbeiterförderungen werden Fort- und Weiterbildungen am häufigsten genannt. Sie weisen sogar einen höheren Stellenwert als Gehaltserhöhungen auf.
 
Oft beschworen, bislang aber kaum erforscht: Der »War-for-Talents« und die Digitalisierung der Bildung gelten derzeit als Megatrends in der Diskussion um Recruitment und Fort- und Weiterbildung. Die Studie »Digitalisierung in Bildungsprozessen« hat untersucht, wie hierbei die Lage im deutschen Mittelstand ist.

Mittel der Wahl: Förderung per Studium

Nahezu alle Unternehmen (94 Prozent) setzen Fort- und Weiterbildungen zur Mitarbeiterförderung ein. Diese weisen damit sogar einen höheren Stellenwert als Gehaltserhöhungen auf. Mehr als jedes zweite Unternehmen bietet seinen Mitarbeitern berufsbegleitende Studienprogramme zur Fort- und Weiterbildung an. Duale Studiengänge sehen die Befragten dabei als sinnvolles Instrument für die Bewältigung des Fachkräftemangels an (86 Prozent), insbesondere, weil sie als praxisnäher gelten als nicht-duale Programme. Dies gaben 79 Prozent der Unternehmen an. Rund 85 Prozent der befragten Unternehmen würden ihre Mitarbeiter finanziell bei einem solchen Studium unterstützen.

Rund jedes zweite deutsche mittelständische Unternehmen kooperiert bereits mit einer Hochschule, die berufsbegleitende Studienprogramme anbietet. Der Schwerpunkt dieser Kooperationen liegt auf (Fach-) Hochschulen, Berufsakademien liegen deutlich abgeschlagen dahinter. Klassische Universitäten spielen bei berufsbegleitenden Programmen eine eher untergeordnete Rolle.

Digitalisierung von Studienangeboten

Rund 75 Prozent der befragten Unternehmen nehmen Digitalisierung als wichtiges Thema wahr. Mehr als jedes zweite Unternehmen rechnet in diesem Rahmen E-Learning einen hohen Stellenwert bei der Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter zu. Knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen könnten sich duale Studiengänge als Fernstudium, und hier insbesondere mit digitalisierten Inhalten, vorstellen.

Zwar haben nur etwas weniger als 50 Prozent der deutschen mittelständischen Unternehmen Erfahrungen mit Fernstudiengängen gemacht, aber dafür geben diejenigen Unternehmen, die sich dafür entschieden haben, fast ausschließlich positive Rückmeldungen.

Hintergrund
Die Autoren Bernt R. A. Sierke, Joachim Algermissen und Stefan Brinkhoff von der PFH Private Hochschule Göttingen befragten 5.338 Geschäftsführer und CEOs deutscher mittelständischer Unternehmen. Nun liegen die Ergebnisse aus 462 Unternehmen in Form von qualitätsbereinigten Datensätzen vor. Wichtigste Befunde: Insgesamt gibt jedes zweite Unternehmen Probleme bei der Rekrutierung von Mitarbeitern an, insbesondere im Bereich der Fachkräfte. Den War for Talents nehmen überraschenderweise aber erst 38 Prozent von ihnen wahr.

 

(23.05.2016, prh)

Ergebniszusammenfassung der Studie (PDF, 24 Seiten)

 

Brandenburg: 300.000 Euro für Alphabetisierung und Weiterbildung

Land Brandenburg

Mit einem neuen Förderprogramm unterstützt das brandenburgische Bildungsministerium ab sofort die Alphabetisierung von Flüchtlingen, die in ihrem Herkunftsland keine Chance hatten, Lesen und Schreiben zu lernen. Dafür stehen in diesem Jahr 300.000 Euro zur Verfügung.

Landes-Bildungsminister Günter Baaske: »Bildung ist der Schlüssel zur Integration. Deshalb fördern wir sowohl die direkte Alphabetisierung von Flüchtlingen sowie Weiterbildungsveranstaltungen für haupt- und ehrenamtlich Tätige, die Sprachkurse für Flüchtlinge anbieten«. Der zweigleisige Weg werde beschritten, »um den Helfern zu helfen und ihnen Weiterbildung zu ermöglichen, damit sie erfolgreich zur sprachlichen und gesellschaftlichen Integration von Flüchtlingen beitragen können«, so Baaske.

Die Fortbildungen behandeln insbesondere die folgenden Themen:

  • Grundlagen der Bildungsarbeit mit Flüchtlingen
  • Fachliche, didaktische und methodische Grundlagen der Alphabetisierung und Sprachvermittlung
  • Moderation von Lerngruppen
  • Einführung in Lehr- und Lernmaterialien
  • Interkulturelle Kompetenz in Bildungsprozessen.

Die Teilnahme an den Weiterbildungen ist für die Sprachmittler kostenfrei. An den Sprachkursen können Flüchtlinge ab 16 Jahren teilnehmen.

Zuwendungsberechtigt sind Landkreise, kreisfreie Städte und anerkannte Weiterbildungsorganisationen. Anträge auf Förderung können an das Brandenburger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, Referat 26, jeweils zum 1. Juni und zum 1. September 2016 gestellt werden.

(17.05.2016, prh)

Details in den Fördergrundsätzen »Weiterbildungsveranstaltungen zur Unterstützung der sprachlichen und gesellschaftlichen Integration von Flüchtlingen vom 2.5.2016«

 

Weiterbildung scheitert oft am Geld

bundestagDer Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Stärkung der beruflichen Weiterbildung und des Versicherungsschutzes in der Arbeitslosenversicherung (AWStG) ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das betonte die Mehrheit der Sachverständigen in einer Anhörung des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales am Montagnachmittag (9. Mai 2016).
 
Die Pläne der Bundesregierung sehen unter anderem vor, dass Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss zur Vorbereitung auf eine abschlussbezogene berufliche Weiterbildung Förderleistungen zum Erwerb notwendiger Grundkompetenzen (Lesen, Rechnen, Schreiben) erhalten, wenn dies für die erfolgreiche Teilnahme an einer Weiterbildungsmaßnahme nötig ist. Zur Stärkung der Motivation sollen Teilnehmer einer abschlussbezogenen Weiterbildung beim Bestehen einer Zwischenprüfung eine Prämie von 1.000 Euro und beim Bestehen der Abschlussprüfung eine Prämie von 1.500 Euro erhalten.

Das Pro und Contra einer solchen Prämienregelung stand auch im Mittelpunkt der Anhörung. Marlene Schubert vom Zentralverband des Deutschen Handwerks bewertete die Pläne kritisch. Prämien könnten zu »Kollateralschäden« am bestehenden System der dualen Ausbildung führen, indem sie bei künftigen Auszubildenden eine Erwartungshaltung wecken, dass das Absolvieren einer beruflichen Ausbildung und das Bestehen von Prüfungen finanziell belohnt werden müssen, sagte Schubert. Oliver Heikaus vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag warnte vor »teuren Mitnahme-Effekten«. Solche Prämien müssten auf jeden Fall auf eine genau definierte Zielgruppe beschränkt und wenn, dann nur als Ermessensleistung eingeführt werden, betonte er.

Johannes Jakob, Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes, vertrat die Ansicht, dass Weiterbildung grundsätzlich belohnt werden sollte. Prämien und die Förderung der Vermittlung von Grundkompetenzen seien wichtige Beiträge zur Integration und dauerhaften Stabilisierung der Beschäftigung, sagte Jakob. Thomas Kruppe vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg verwies auf den Umstand, dass finanzielle Einbußen mit Abstand der wichtigste Hindernisgrund für Arbeitslose sei, eine Weiterbildungsmaßnahme zu beginnen. Auch Walter Würfel vom Bundesverband der Träger beruflicher Bildung nannte finanzielle Aspekte als Hauptgrund für Abbrüche von Weiterbildungen.

Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband kritisierte den Gesetzentwurf, weil er »kein schlüssiges, rechtskreisübergreifendes Gesamtkonzept« enthalte, um die Weiterbildung zu stärken. Dessen Vertreter Joachim Rock forderte eine Aufstockung der Eingliederungsmittel, da diese in den Jahren 2009 bis 2014 um ein Viertel gekürzt worden und dadurch viel Infrastruktur verloren gegangen sei.

Der Rechtsanwalt Steffen Schmidt-Hug betonte, dass vor allem für die Kurzzeit-Beschäftigten in der Kulturbranche die jetzigen Sonderregelungen zum Bezug von Arbeitslosengeld ein »gravierendes Problem« darstellten. Diese seien derart hürdenreich ausgestaltet, dass sie von kaum jemanden genutzt werden könnten. Die Folge sei, dass sehr viele Kulturschaffende zwar in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, aber im Falle von Arbeitslosigkeit keine Leistungen erhalten, kritisierte Schmidt-Hug.

(10.05.2016, prh)

Im Wortlaut: AWStG-Entwurf (PDF, 40 Seiten)

siehe auch: Stärkung der beruflichen Weiterbildung

 

Entgeltatlas: Wer verdient wo wie viel?

ENTGELTATLAS

Was verdient eine Krankenschwester in Berlin und was ein Bürokaufmann in Nordrhein-Westfalen? Und wie sehen im Vergleich dazu die Verdienste im Bundesdurchschnitt aus? Lohnt es sich, eine Weiterbildung zu machen, um gegebenenfalls mehr zu verdienen?

Dies sind Beispiele für Fragen, die der Entgeltatlas der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) beantwortet.

Der Entgeltatlas zeigt den Mittelwert des Bruttomonatsgehalts in Euro von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten im Jahr 2014 an. Angaben stehen für fast alle Berufe zur Verfügung. Mit dem Entgeltatlas kann man mit wenigen Klicks schnell und einfach herausfinden, wer in Deutschland wie viel verdient und das sogar gegliedert nach Bundesländern, Geschlecht und Alter.

Die Nutzung ist denkbar einfach: man muss nur den gewünschten Beruf und ein Bundesland auswählen. Die Ergebnisse werden wahlweise in kartografischer, grafischer und tabellarischer Form dargestellt. Dabei können auch Vergleichswerte für Deutschland angezeigt werden.

(10.05.2016, ba/prh)

Zum Entgeltatlas

 

Weiterbildung findet oft online statt

bitkomZwei Drittel der Unternehmen nutzen digitale Lernmöglichkeiten für Mitarbeiter 
 
Unternehmen setzen bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter auf einen Mix aus klassischen Präsenz-Seminaren und digitalen Lerntechnologien. Zwei Drittel aller Unternehmen (65 Prozent) nutzen externe Seminarangebote oder In-House-Schulungen. Ähnlich viele Unternehmen (63 Prozent) setzen digitale Lernprogramme oder online-gestützte Angebote für die Weiterbildung ein. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter 504 Unternehmen ab 10 Mitarbeitern im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.
 
»Weiterbildung ist der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg, gerade in einer Zeit, in der sich fast alle Branchen durch die digitale Transformation gravierend verändern müssen«, sagt Bernhard Rohleder von Bitkom. »Digitale Weiterbildungsangebote sind individuell auf den Nutzer abstimmbar und gleichzeitig komfortabel und kostengünstig. Insbesondere kleineren Unternehmen bieten sie die Möglichkeit, ihre Mitarbeiter individuell und bestmöglich fortzubilden«.

Unter den digitalen Weiterbildungsmöglichkeiten werden webbasierte Lernprogramme am häufigsten eingesetzt, jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) nutzt sie. Jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) schult mit Hilfe von Lernprogrammen, die auf dem Computer installiert werden. Online-Seminare werden von jedem fünften Unternehmen (21 Prozent) eingesetzt, gerade einmal jedes achte (12 Prozent) nutzt interaktive Videos zur Mitarbeiterschulung. Praktisch überhaupt nicht genutzt werden neuere Lernformen wie interaktive E-Books, Smartphone- oder Tablet-Apps und so genannte Serious Games, also Lernspiele, sowie die Lehrangebote von Online-Universitäten wie Udacity und Coursera. »Das Lernprogramm auf dem PC kann hilfreich sein, aber gerade mit Apps wird das einfache Lernen zu jeder Zeit an jedem Ort möglich. Unternehmen sind gut beraten, nicht nur in Produktion und Verwaltung, sondern gerade auch bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter die neuesten Technologien sinnvoll einzusetzen«, so Rohleder.

 

MA Weiterbildung

 

Jedes zehnte Unternehmen (10 Prozent) greift ausschließlich auf digitale Angebote zurück, jedes achte Unternehmen (13 Prozent) setzt allein auf Schulungen mit physischer Anwesenheit der Mitarbeiter. Und immerhin jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) gibt an, keine dieser Möglichkeiten für eine Weiterbildung zu nutzen.

Hintergrund
Bitkom Research hat in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Aris im Auftrag des Bitkom 504 Personalverantwortliche von Unternehmen ab 10 Mitarbeitern in Deutschland befragt.

(09.05.2016, prh)

 

Nahles fordert Flexibilität für alle - und ein Recht auf Weiterbildung

© Deutscher Bundestag / Achim Melde

Die fortschreitende Digitalisierung, die vor allem unter dem Begriff »Industrie 4.0« diskutiert wird, führt zwangsläufig auch zu einer veränderten Arbeitswelt. Wie diese genau aussehen und welche neuen Anforderungen sie mit sich bringen wird, ist abschließend noch nicht zu beurteilen. Fest steht allerdings, dass vielfach neue Arbeitsformen entstehen und neue Kompetenzen benötigt werden.

Andrea Nahles, Ministerin für Arbeit und Soziales, hat hierzu einen Dialog über die »Arbeit 4.0« mit Unternehmen, Gewerkschaften, Verbänden und der Wissenschaft angestoßen, dessen Ziel es ist, den erforderlichen Handlungsbedarf und Empfehlungen für die Entwicklung begleitender Rahmenbedingungen herauszuarbeiten.

Mit neuen Technologien, der weiteren Automatisierung und Vernetzung von Produktionsstätten, neuen Geschäftsmodelle und Arbeitsformen wie Crowdworking sowie dem zunehmenden Einsatz von Big Data und künstlicher Intelligenz in Dienstleistungsbranchen können leicht auch Ängste entstehen, dass menschliche Arbeit verdrängt und Jobs verloren gehen.

Nahles befasst sich mit diesen Fragen ausführlich in einem Artikel des Berliner Tagesspiegels und kommt dabei zu der »bisherigen Erkenntnis«: »Menschliche Arbeit wird weiterhin im Mittelpunkt der Wirtschaft stehen«, wobei die konkreten Tätigkeiten und die gefragten Qualifikationen jedoch andere sein werden.

Es ist davon auszugehen, dass diese veränderten Anforderungen sich schneller und dynamischer entwickeln werden als dies in der Vergangenheit der Fall war. Das bedeutet für Beschäftigte (wie auch für Arbeitsuchende), dass sie die Möglichkeit einer fortwährenden Kompetenzanpassung geboten bekommen müssen. Dies unter Berücksichtigung der betrieblichen Erfordernisse und unter Einbeziehung der persönlichen Voraussetzungen.

Dabei handelt es sich um einen dynamischen Prozess, der eine hohe Flexibilität erfordert. Dies umzusetzen sei, so Nahles, »nur möglich, wenn wir die Institutionen des Sozialstaats, allen voran bei der Bildung, darauf vorbereiten und gleichzeitig mehr Spielräume auf betrieblicher und tariflicher Ebene ermöglichen«. Für diese neue digitale Arbeitswelt liegen kaum Erfahrungswerte vor; sie müssten vielleicht auch experimentell erarbeitet werden.

Eine mögliche Richtung, in die die »Arbeit 4.0« gehen könnte, hat Nahles auch bereits ins Auge gefasst: Perspektivisch könne es ein Recht auf Weiterbildung unter Einschluss einer regelmäßigen Berufs- und Weiterbildungsberatung geben. Damit würde sicherzustellen sein, dass Beschäftigte ihr Wissen und ihre Fähigkeiten erhalten, bei Bedarf ausbauen oder auch in neue Bereiche umschulen.

(06.05.2016, prh)

Artikel im Tagesspiegel vom 3. Mai 2016

Siehe auch: BMAS-Portal »Arbeiten 4.0«

Siehe auch: Studie »Wertewelten Arbeiten 4.0« (PDF, 47 Seiten)

 

Stiftung Warentest erläutert neues Meister-BaFöG

Stiftung Warentest

Ab August 2016 wird das novellierte AFBG in Kraft treten, das vor allem den Kreis derer ausweitet, die einen Anspruch auf Förderung erheben können.

Das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG), besser bekannt als »Meister-BaFöG«, wird darüber hinaus höhere Förder- und Freibeträge bieten. Damit wächst mit der Novelle für AFBG-Geförderte in Vollzeitlehrgängen zum Meister, Fachwirt, Techniker oder Erzieher der AFBG-Zuschussbetrag bei der AFBG-Unterhaltsförderung von 238 auf 333 Euro.

Der restliche Förderbetrag bis zum monatlichen Budget von zukünftig 768 Euro steht als zinsgünstiges KfW-Darlehen zur Verfügung. Bei einem verheirateten Geförderten mit zwei Kindern ist der Schritt beim maximalen Zuschussbetrag von 448 Euro auf 711 Euro bei einem Budget von zukünftig 1.473 Euro noch größer (plus 59 Prozent).

Die Stiftung Warentest hat eine ausführliche Übersicht der Änderungen zusammengestellt, die u.a. Aufschluss über mögliche Unterhaltsbeträge für einzelne Fördergruppen gibt und auch die Regularien zur Beantragung der Förderung beschreibt. Der Artikel steht für Interessierte kostenfrei zur Verfügung.

(03.05.2016, prh)

Zum test-Artikel

 

Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2016 veröffentlich

BIBB

Zahlen, Daten, Fakten zur beruflichen Bildung

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat seinen Datenreport 2016 veröffentlicht. Der Datenreport enthält umfassende Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland. Er ergänzt den jährlichen Berufsbildungsbericht der Bundesregierung, der durch das Bundeskabinett verabschiedet worden ist.

Das Schwerpunktthema des Datenreports analysiert die Möglichkeiten und Chancen, Studienabbrecherinnen und -abbrecher für die berufliche Bildung zu gewinnen. Vom BIBB befragte Berufsbildungsfachleute sehen hierin einen wichtigen Beitrag, die betriebliche Ausbildungsbeteiligung sowie den Ausbildungs- und Fachkräftemarkt zu stabilisieren, auch wenn dies nur für ein begrenztes Spektrum an Ausbildungsberufen zutrifft. Ergebnisse einer im Rahmen des Referenz-Betriebs-Systems durchgeführten BIBB-Befragung ausbildender Betriebe unterstützen diese Einschätzung.

Für Studierende wiederum hat die duale Berufsausbildung zwar ein gutes Image; jedoch gab in einer vom BIBB in Kooperation mit der Universität Maastricht durchgeführten Befragung nur ein geringer Teil der Studierenden an, dass sie rückblickend eine duale Berufsausbildung einem Hochschulstudium vorziehen würden. Und eine vom BIBB in Auftrag gegebene Expertise der Universität Tübingen zeigt, dass bereits rund ein Viertel der Studienabbrecherinnen und -abbrecher anschließend eine duale Berufsausbildung erfolgreich abschließt. Studierende mit vorheriger Berufsausbildung haben zudem eine um zehn Prozentpunkte höhere Erfolgschance, ihr Erststudium abzuschließen, als Studierende ohne zuvor abgeschlossene Berufsausbildung.

Ein weiteres Augenmerk widmet der Datenreport – auch vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingssituation – der Integration von Personen mit Migrationshintergrund in Ausbildung und Beschäftigung. Hier zeigen die BIBB-Analysen, dass der Übergang in Ausbildung gerade für nicht studienberechtigte Jugendliche mit Migrationshintergrund weiterhin schwierig und langwierig ist. Sie bleiben überdurchschnittlich häufig ohne Berufsabschluss und haben damit ein höheres Arbeitslosigkeitsrisiko.

Die Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt durch die Zuwanderung geflüchteter Menschen waren im letzten Jahr noch begrenzt, da zunächst die Unterbringung und Versorgung der Menschen im Vordergrund stand. Die hohe Zahl an Jugendlichen unter den Geflüchteten lässt aber darauf schließen, dass die Nachfrage nach Ausbildungsstellen in den kommenden Jahren zunehmen wird. Dieser Entwicklung wird sich das BIBB in weiteren Analysen sowie im Schwerpunktthema des nächsten Datenreports widmen.

Nachhaltig gekennzeichnet ist die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt weiterhin durch zunehmende Passungsprobleme. Es wird offensichtlich von Jahr zu Jahr schwieriger, das betriebliche Ausbildungsangebot und die Nachfrage der Jugendlichen nach Ausbildungsplätzen zusammenzuführen. Dies zeigt sich insbesondere daran, dass der Anteil der unbesetzten Stellen am betrieblichen Ausbildungsplatzangebot weiter gestiegen ist – von 6,9 % auf nunmehr 7,5 %. Auf der anderen Seite fiel der Anteil der erfolglosen Bewerberinnen und Bewerber an der offiziell ermittelten Nachfrage 2015 mit 13,4 % weiterhin vergleichsweise hoch aus. Das BIBB geht davon aus, dass diese Trends auch im kommenden Jahr anhalten werden.

(28.04.2016, prh)

BIBB-Datenreport 2016 (PDF, 493 Seiten)

Berufsbildungsbericht 2016 (PDF, 172 Seiten)

 

Deutsch lernen via App: Nur zwei von zwölf sind empfehlenswert

Stiftung Warentest2

Flüchtlinge warten oft Monate auf freie Plätze in staatlich finanzierten Deutschkursen. Um sich erste Sprachkenntnisse sofort aneignen zu können, stehen ihnen jedoch digitale Lernangebote zur Verfügung. Da viele Flüchtlinge ein Smartphone besitzen, hat sich die Stiftung Warentest zwölf Apps zum Deutschlernen für Erwachsene und Kinder aus dem arabischen Sprachraum genauer angeschaut. Das Ergebnis, das auch ins Arabische übersetzt wurde, ist abrufbar unter www.test.de/deutschlernen.

Im Test: Neun Apps für Deutschanfänger, davon neun für Erwachsene, drei für Kinder. Unter den geprüften Apps haben die Tester vier verschiedene Typen identifiziert: fünf Vokabeltrainer, vier Lernprogramme, zwei Lernspiele und ein Video-Tutorial. Das Fazit: Ohne Einschränkungen empfehlenswert sind lediglich zwei Apps für Erwachsene: das inhaltlich konsequent auf Flüchtlinge zugeschnittene Lernprogramm »Ankommen« vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie das Lernspiel »Lern Deutsch – Stadt der Wörter« vom Goethe-Institut, das spielerisch in einfache Strukturen der deutschen Sprache einführt. Beide Apps bauen Wortschatz auf, trainieren die Sprachfertigkeiten Hören, Lesen und Schreiben und bieten sogar einige Grammatikübungen. Weitere drei Apps für Erwachsene im Test sind durchaus brauchbar. Da sie aber nicht vollständig überzeugten, sind sie nur eingeschränkt empfehlenswert.

Die Apps für Kinder konnten nicht voll und ganz überzeugen, aber zwei sind immerhin eingeschränkt empfehlenswert: Das Lernspiel »Deutsch für Kinder« von Always Icecream and Clever Dragons und der Vokabeltrainer »Phase6 Hallo Deutsch Kinder« von Phase-6. Kindgerecht gestaltet sind beide, allerdings könnten beispielsweise die Übungen abwechslungsreicher sein.

Auch wenn eine App den Deutschkurs nicht ersetzen kann, eignen sich die empfehlenswerten – zum Teil auch die eingeschränkt empfehlenswerten – Apps nicht nur zum Überbrücken der Wartezeit bis zum Integrationskurs, sondern auch als Ergänzung zu diesem.

(27.04.2016, wt/prh)

Zum Test inklusive der Bezugsquellen und weiteren Tipps

 

VDI: Keine Industrie 4.0 ohne Bildung 4.0

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VDI fordert Investitionen von rund zwei Milliarden Euro jährlich für Digitalkompetenz in Schulen 

Zum Auftakt der Hannover Messe fordert VDI-Direktor Ralph Appel eine digitale Bildungs- und Qualifizierungsoffensive für Deutschland. Damit ließe sich Industrie 4.0 nachhaltig umsetzen. Allein im Schulbildungswesen rechnet Appel mit einem zusätzlichen Investitionsbedarf von rund zwei Milliarden Euro jährlich. Da das föderale Bildungssystem nicht kompatibel mit den technischen Anforderungen von heute und morgen sei, sieht er den Bund in der Pflicht, nun stärker Verantwortung zu übernehmen.

»Die Vermittlung von Digitalkompetenz muss spätestens in der Schule beginnen«, erklärt Appel. »Leider ist unser Bildungssystem zurzeit nicht in der Lage, Schülerinnen und Schüler auf das digitale Zeitalter vorzubereiten. Ein internationaler Vergleich zeigt: In keiner anderen Industrienation nutzen Lehrpersonen seltener neue Technologien im Unterricht als in Deutschland«. Industrie 4.0, Big Data, Cloud Computing oder das Internet der Dinge - diese Schlagwörter verkommen zu Floskeln, wenn junge Menschen nicht über entsprechende Kompetenzen und Ausstattungen verfügen. Appel weiter: »Dabei geht es uns nicht um das passive und oberflächliche Konsumieren von Facebook, WhatsApp und Co. - es geht um Bildungseinrichtungen, die junge Menschen darin befähigen, als mündige Akteure die digitale Zukunft kreativ mitzugestalten«.

Was also fehlt dem deutschen Schulbildungssystem? Von der Ausstattung über flächendeckenden IT-gestützten Unterricht bis hin zum qualifizierten Lehrpersonal gibt es enormen Nachholbedarf. Technische Bildung und Informatik-Unterricht müssen endlich bundesweit fest in den Lehrplänen verankert werden. Hier darf die digitale Bildungs- und Qualifizierungsoffensive aber nicht enden.

Für die digitale Wirtschaft brauchen auch Arbeitnehmer Digitalkompetenz

Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen müssen in der Lage sein, die Digitale Transformation mitzugestalten bzw. umzusetzen, sonst verlieren sie den Anschluss. Auch Unternehmen brauchen also eine digitale Qualifizierungsoffensive. Sie müssen die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter und lebenslanges Lernen konsequent und systematisch fördern und fordern. »Durch die Digitale Transformation ergeben sich gerade im Bereich des eigenständigen und lebensnahen Lernens neue Möglichkeiten, die noch besser auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtet sind«, sagt Dr.-Ing. Kurt D. Bettenhausen, Vorsitzender des interdisziplinären VDI-Gremiums Digitale Transformation. Berufsprofile werden sich inhaltlich verschieben, indem Tätigkeiten mit mehr Wertschöpfung und Kreativität zunehmen werden. Damit steigen Eigenverantwortung und Selbstentfaltung. Bettenhausen: »Beispielsweise in einer Fabrik mit intelligenten technischen Systemen verändert sich die Rolle der Mitarbeiter. Sie werden immer mehr zu flexibel agierenden Problemlösern. Die Entwicklung neuer Berufsbilder und passender Angebote zur Qualifizierung muss dringend vorangetrieben und neue Weiterbildungsmodelle müssen eingeführt werden«.

Unternehmen müssen Initiative für Weiterbildung ergreifen

Schneller und effizienter produzieren, neue Anwendungsfelder erschließen und individuelle Kundenwünsche ganzheitlich bedienen: Solche Potenziale verheißt Industrie 4.0. Vorausgesetzt die Geschäftsmodelle sind den neuen Anforderungen angepasst. »Die Sensibilisierung für das Thema Geschäftsmodelle für die Digitale Transformation ist da, aber die nötigen Methoden und Werkzeuge sind in vielen Unternehmen noch nicht bekannt und werden bisher noch zu wenig systematisch gelehrt«, meint Prof. Dr. rer. pol. Frank Thomas Piller, Professor und Lehrstuhlinhaber für Technologie und Innovationsmanagement an der RWTH Aachen. »Entsprechend stehen sie auch für die nötige Entwicklung in der Praxis vielfach nicht zur Verfügung. Hier brauchen wir - über die Bildungsoffensive hinaus - eine groß angelegte Weiterbildungsanstrengung für alle Unternehmen in Deutschland. Diese Initiative muss auch aus den Unternehmen selbst kommen«.

(25.04.2016, prh)

 

Studie: Arbeitnehmer sehen ihre Chancen

OrizonWeiterbildung gefragter denn je, Möglichkeiten allerdings eingeschränkt

Unter dem Titel »Arbeitsmarkt – Perspektive der Arbeitnehmer« führte die Orizon GmbH 2015 zum vierten Mal eine Studie unter Beschäftigten durch. Die befragten Arbeitnehmer gaben u.a. darüber Auskunft, was ihnen an einem Arbeitgeber besonders wichtig ist und wie ihnen nach Erwerbslosigkeit der berufliche Wiedereinstieg gelingt.

So kritisch die Lage im europäischen Ausland auch sein mag, die deutschen Arbeitnehmer vertrauen auf den stabilen deutschen Arbeitsmarkt. 59,2 Prozent der Arbeitnehmer schätzen ihre Chancen bei der Bewerbung auf einen neuen Job als gut oder sehr gut ein. Das sind deutlich mehr als 2014 (46,6 Prozent). Rund 75,3 Prozent der 20-29-Jährigen Arbeitnehmer sehen ihre Arbeitsmarktchancen positiv. Ältere Arbeitnehmer bewerten dies kritischer. In der Gruppe der 50-59-Jährigen schätzen nur rund 42,5 Prozent ihre Chancen als positiv ein.

Von ihrem neuen Arbeitgeber wünschen sich die Arbeitnehmer vor allem eine leistungsgerechte Bezahlung, Arbeitsplatzsicherheit, flexible Arbeitszeiten, Arbeitsplatznähe und abwechslungsreiche Tätigkeiten. Diese Top 5-Präferenzen haben sich im Vergleich zum Vorjahr nur in der Reihenfolge geändert: Der Wunsch nach Sicherheit hat leicht abgenommen und ist auf den zweiten Platz gerutscht. Eine gute Bezahlung hält nun die Pole-Position – die positive Arbeitsmarktlage gibt offenbar genug Sicherheit. Auch hier zeigen sich leichte Unterschiede zwischen den Arbeitnehmergenerationen. Bei den Älteren treten die Präferenzen immer deutlicher heraus, während innerhalb der jungen Generation die Präferenzen heterogener sind. Für Jüngere Generationen ist Abwechslung ein wichtiger Faktor (39,2 Prozent der 20-29-Jährigen), für die Altersgruppe der 50-65-Jährigen hingegen spielt die betriebliche Altersvorsorge eine bedeutende Rolle (38,7 Prozent).

Zeitarbeit bietet schnellen und nachhaltigen Einstieg

Das ElterngeldPlus gibt Vätern und Müttern hohe Flexibilität beim beruflichen Wiedereinstieg. Aber nicht jeder Arbeitnehmer hat nach einer längeren Erwerbspause einen gesetzlichen Anspruch auf eine Rückkehr in den alten Job. Auf der Suche nach einer neuen Stelle vertrauen die Arbeitnehmer überwiegend auf klassische Beschäftigungsformen, wie die Orizon Arbeitsmarktstudie 2015 zeigt.

72 Prozent der befragten Arbeitnehmer sehen in einer befristeten oder unbefristeten Festanstellung die geeignete Beschäftigungsform für den Wiedereinstieg nach einer längeren Erwerbspause. Auch Zeitarbeit wird von den Arbeitnehmern zunehmend positiver als Wiedereinstiegsmöglichkeit gesehen: 28 Prozent der Befragten mit Zeitarbeitserfahrung sehen Zeitarbeit als geeignete Beschäftigungsform zum Wiedereinstieg. Bei Arbeitnehmern ohne Erfahrung in der Zeitarbeit fällt dieser Wert geringer aus (14,8 Prozent). Darin spiegelt sich das immer noch kritische Image der Zeitarbeit in den Medien und der Öffentlichkeit wider.

Die ehemaligen Zeitarbeitnehmer haben hingegen die Erfahrung gemacht, dass man über diesen Weg schnell zu einem neuen Job findet. Zudem war die Zeitarbeit für die überwiegende Mehrheit eine Chance, sich dauerhaft im Arbeitsmarkt zu etablieren. Knapp 70 Prozent der befragten Arbeitnehmer mit Zeitarbeitserfahrung sind nach ihrer Zeitarbeitsbeschäftigung bei ihrem Einsatzunternehmen oder einem anderen Arbeitgeber untergekommen. Dieser beachtlich hohe Wert ist im Vergleich zum Vorjahr nochmals gestiegen. Die Arbeitnehmerbefragung zeigt auch, dass lediglich 20 Prozent nach der Beschäftigung als Zeitarbeitnehmer arbeitslos wurden. Im Vorjahr waren es noch knapp 29 Prozent.

Weiterbildung zentrales Thema

Mit dem Abschluss der Lehre oder des Studiums ist der Bildungsweg auch heute noch in vielen Erwerbskarrieren abgeschlossen. Vor dem Hintergrund längerer Lebensarbeitszeiten und ständig steigender Arbeitsanforderungen wird die berufsbegleitende Weiterbildung aber immer wichtiger. Die Studie zeigt, dass ein Problembewusstsein bereits vorhanden ist. 94 Prozent der Arbeitnehmer finden Weiterbildung wichtig oder sehr wichtig. Alleine an der Umsetzung hapert es noch. Nur 48,8 Prozent der befragten Arbeitnehmer wurde in ihrem aktuellen oder vorherigen Job die Möglichkeiten der Weiterbildung gewährt. Zugleich zeigen die Arbeitnehmer wenig Initiative, weitere Qualifikationen zu erwerben. Vielen ist ein betriebliches Bildungsangebot nicht bekannt.

Gesundes Arbeitsklima, trotz starker Belastungen

Auch ohne Workshops und Seminare fühlen sich 79,1 Prozent der befragten Arbeitnehmer an ihrer Arbeitsstelle grundsätzlich wohl. Dennoch klagen 48,9 Prozent über ‚hohe‘ oder ‚sehr hohe‘ körperliche Belastungen und sogar 66 Prozent über ‚hohe‘ oder ‚sehr hohe‘ psychische Belastungen. Insbesondere die 30-39-Jährigen fühlen sich starken Belastungen ausgesetzt. Diese Wahrnehmung mag damit zusammenhängen, dass in diesem Lebensabschnitt sowohl beruflich wie auch privat wichtige Weichen gestellt werden. Als zentrale Ursachen werden vor allem das hohe Arbeitspensum (72,5 Prozent) sowie Konflikte mit Vorgesetzten (45,8 Prozent) und Kollegen (43,5 Prozent) ausgemacht. Erstaunlich: Sowohl die Arbeitnehmer als auch die Arbeitgeber tun relativ wenig gegen Belastungen. Nur ein Drittel der Arbeitnehmer versucht über gute Ernährung oder Sport einen Ausgleich zu schaffen. Knapp die Hälfte der Arbeitgeber ergreift nach Angaben der befragten Arbeitnehmer gar keine Maßnahmen, um Belastungen bei der Belegschaft zu verhindern.

Hintergrund
Die Orizon GmbH hat 2015 zum vierten Mal die Studie »Arbeitsmarkt – Perspektive der Arbeitnehmer« durchgeführt. An der bevölkerungsrepräsentativen Online-Befragung nahmen 2.123 Arbeitnehmer und Arbeitsuchende in Deutschland teil. Durchgeführt wurde die Studie von dem unabhängigen Marktforschungs- und Analyseunternehmen Lünendonk GmbH. Zur Gewährleistung der Repräsentativität wurden vorgegebene Quoten über die soziodemographischen Merkmale Alter, Geschlecht, Schulbildung und Bundesland etabliert. Verzerrungen wurden durch Gewichtung aufgehoben. Die Gewichtung erfolgte nach Mikrozensus.

(24.04.2016, prh)

 

InnovatWB: Wegmarken für die Weiterbildung der Zukunft

innovatWB

Bundesweiter Förderschwerpunkt »InnovatWB« startet 

In 34 Projekten aus 14 Bundesländern werden ab sofort über drei Jahre »Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung« erforscht und Handlungsansätze für die künftige Weiterbildungspolitik erarbeitet. Berufliche Weiterbildung ist entscheidend für die soziale Teilhabe und die Chancen des Einzelnen im Erwerbsleben – und ein zentraler Faktor, damit sich Gesellschaft und Wirtschaft fortentwickeln können. Umso wichtiger ist es, die Beteiligung an Weiterbildung zu erhöhen und ihre Qualität auf der Grundlage wissenschaftlicher Kenntnisse auszubauen. Mit einer Auftaktveranstaltung und rund 130 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Praxis und Politik startete im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn der Förderschwerpunkt, für den das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 15 Millionen Euro bereitstellt.

»Lebensbegleitendes Lernen mit zukunftsorientierten, qualitativ hochwertigen Weiterbildungswegen muss selbstverständlicher Bestandteil individueller Erwerbsbiografien werden«, erklärte BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. »Insbesondere die Digitalisierung führt zu grundlegenden, dynamischen Entwicklungen und wird beispielsweise zeit- und ortsunabhängiges Lernen ermöglichen und erfordern«.

Das mit der Leitung des Förderschwerpunkts betraute BIBB hat – von Aachen über Rostock bis München – 34 Einzel- oder Verbundprojekte mit insgesamt 62 Einrichtungen bewilligt. Mit dem Förderschwerpunkt sollen Impulse für die Modernisierung der Weiterbildung in der Praxis gegeben und die Weiterbildungsforschung gestärkt werden. In den Vorhaben werden unter anderem Strukturen für eine nachhaltige berufliche Weiterbildung erforscht und entwickelt, Handlungsfelder für eine demografie-sensible Weiterbildungspolitik aufgezeigt, das digitale Lernen in den Mittelpunkt gestellt und die Professionalisierung der Lehrenden in der Weiterbildung analysiert.

Vertreten sind Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Bildungseinrichtungen, Branchenverbände, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Sozialpartnerorganisationen. Auch viele Betriebe beteiligen sich an den Vorhaben. Sie sind vor allem als assoziierte Partner in die Projekte eingebunden. Die beteiligten Branchen reichen von Elektro- und Metalltechnik über Chemie, Landwirtschaft, Handwerk, Pflege, Gastronomie und Automobilindustrie bis zur Kultur.

Die geförderten Projekte bearbeiten drei Themenschwerpunkte:

  • Im Schwerpunkt »Arbeitskräfte und Qualifikationsentwicklung« geht es unter anderem um die Anerkennung und Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen. Neben regionalen Ansätzen zur Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung werden Kompetenzfeststellungsverfahren erprobt und eine Verzahnung von betriebsorientierter und personenbezogener Weiterbildung angestrebt. Hier werden insgesamt zwölf Projekte gefördert und dabei insbesondere heterogene Zielgruppen wie Ältere, nicht formal Qualifizierte und Migrantinnen und Migranten in den Blick genommen.

  • Mit der Frage nach der »Professionsentwicklung und Professionalisierung« des in der beruflichen Weiterbildung tätigen Personals befassen sich 17 Projekte. Diese Zielgruppe ist durch Modernisierungsprozesse wie Industrie 4.0 gefordert, zeitgemäße Lehrkompetenzen zu entwickeln. Daher werden innovative Lehr-/Lernformate wie selbstgesteuertes Lernen, zum Beispiel unter Einsatz digitaler Medien, in unterschiedlichen Branchen erprobt und Angebote zur Fortentwicklung der Medienkompetenz erarbeitet. Weiterhin werden Organisations- und Personalentwicklungsmaßnahmen erstellt. Auch die Qualitätsentwicklung von – zum Teil bereits bestehenden – Weiterbildungsformaten wird untersucht.

  • Fünf Projektvorhaben werden im Themenschwerpunkt »Weiterbildungsforschung« gefördert. Hier werden unter anderem die veränderten Anforderungen durch die Digitalisierung und der Umgang mit den neuen Kompetenzbedarfen theoriebasiert untersucht. Weitere Themen sind Weiterbildungsfinanzierung und adressatengerechte, nachfrageorientierte Weiterbildung.

Ansprechpartnerinnen:
Barbara Hemkes, Constanza Correa Sarmiento; E-Mail: Innovatwb@bibb.de


(14.04.2016, prh)

Weiterführende Informationen

 

Stärkung der beruflichen Weiterbildung

bundesregierung

Geringqualifizierte Arbeitnehmer und Langzeitarbeitslose sollen einen verbesserten Zugang zu Instrumenten der beruflichen Weiterbildung erhalten. Das ist das Ziel eines Gesetzentwurfes der Bundesregierung zur Stärkung der beruflichen Weiterbildung und des Versicherungsschutzes in der Arbeitslosenversicherung (Arbeitslosenversicherungsschutz- und Weiterbildungsstärkungsgesetz - AWStG).

Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss sollen künftig zur Vorbereitung auf eine abschlussbezogene berufliche Weiterbildung Förderleistungen zum Erwerb notwendiger Grundkompetenzen (Lesen, Rechnen, Schreiben, Mathematik) erhalten, wenn dies für die erfolgreiche Teilnahme an einer Weiterbildungsmaßnahme nötig ist.

Zur Stärkung der Motivation sollen Teilnehmer einer abschlussbezogenen Weiterbildung beim Bestehen einer Zwischenprüfung eine Prämie von 1.000 Euro und beim Bestehen der Abschlussprüfung eine Prämie von 1.500 Euro erhalten. Die Neuregelung ist befristet für Maßnahmen, die bis 31. Dezember 2020 beginnen und wird evaluiert.

Die Weiterbildungsförderung für Beschäftigte in kleinen und mittleren Unternehmen, die für jüngere Arbeitnehmer unter 45 Jahren bis Ende 2020 befristet ist, wird weiter flexibilisiert. So sollen nunmehr auch berufliche Weiterbildungen bezuschusst werden können, die außerhalb der Arbeitszeit stattfinden.

Arbeitnehmern in Transfergesellschaften, die von Restrukturierungsmaßnahmen betroffen sind, soll ein schnellerer Zugang zu beruflicher Weiterbildung ermöglicht werden.

Die Dauer von Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung, die bei einem Arbeitgeber durchgeführt werden, soll von sechs auf zwölf Wochen verlängert werden. Die Änderung gilt für Langzeitarbeitslose und Arbeitslose mit schwerwiegenden Vermittlungshemmnissen.

Personen, die ihre Beschäftigung oder den Bezug von Arbeitslosengeld durch eine länger andauernde berufliche Weiterbildung unterbrechen, können einen zuvor bestehenden Arbeitslosenversicherungsschutz auf dem Weg einer freiwilligen Weiterversicherung durch Zahlung eigener Beiträge aufrechterhalten. Außerdem wird eine bis Ende 2016 befristete Sonderregelung zur verkürzten Anwartschaftszeit für überwiegend kurz befristet Beschäftigte bis zum 31. Juli 2018 verlängert.

(13.04.2016, prh)

Im Wortlaut: Gesetzentwurf der Bundesregierung (PDF, 42 Seiten)

 

Rheinland-Pfalz: Petition zur Bildungsgerechtigkeit

Rette die Bildungskette

Anerkannte Weiterbildungsträger starten Petition zu den Koalitionsverhandlungen in Rheinland-Pfalz

Nach dem Start der Koalitionsverhandlungen in Rheinland-Pfalz zwischen SPD, Grünen und FDP wenden sich die sieben anerkannten Weiterbildungsträger des Landes mit einer Petition zur Verdoppelung ihres Budgets an die zukünftige Landesregierung. Mit dem Aufruf »Rette die Bildungskette« machen sie auf die lange vernachlässigte Förderung des Weiterbildungssektors als vierte Säule im Bildungssystem aufmerksam.

Hintergrund der Petition sind eine Vielzahl mit dem aktuellen Budget nicht mehr leistbarer gesellschaftlicher Herausforderungen. Dazu gehören die Organisation und Durchführung von Integrations- und Sprachkursen für Tausende Flüchtlinge, die monatelang auf einen Kurs warten müssen sowie die Sicherung und den Ausbau von Angeboten zur allgemeinen, beruflichen und politischen Bildung als Basis für den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft. Diese Aufgaben lassen sich zukünftig nur durch eine Verdoppelung der Mittel stemmen. Die notwendige Unterstützung soll jetzt durch eine Petition erreicht werden.

Eine Erfolgsgeschichte, bei der die Bildungskette noch funktioniert hat, ist etwa die Syrerin Roula. Die 34-Jährige kam 2014 mit ihrer Familie nach Rheinland-Pfalz. Sie durchlief innerhalb von neun Monaten einen Integrationskurs, einen Berufsvorbereitungskurs und ein Praktikum. Heute arbeitet sie in Vollzeit als Dolmetscherin. Ein anderes Beispiel ist Klaus (Name von der Redaktion geändert). Der heute 55-Jährige hat, nachdem er als Fabrikarbeiter entlassen wurde, an einem Alphabetisierungskurs der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz teilgenommen. Dadurch lernte er nicht nur Lesen und Schreiben, sondern gewann auch neues Selbstvertrauen. Mittlerweile hat er einen Job in der Landwirtschaft gefunden, dem er mit großer Freude nachgeht.

»Diese Erfolgsgeschichten dürfen keine Einzelfälle bleiben. Das könnten wir jeden Tag erreichen, wenn wir finanziell, personell und infrastrukturell entsprechend aufgestockt würden. Investition in Weiterbildung ist eine Investition in unsere Gesellschaft«, sagt Steffi Rohling, Direktorin des Verbandes der Volkshochschulen in Rheinland Pfalz und eine der Petitionstellerinnen.

Die Petition wird eingereicht von den sieben staatlich anerkannten Weiterbildungsträgern im Land Rheinland-Pfalz: Dazu gehören neben dem Verband der Volkshochschulen e.V. noch Arbeit & Leben gGmbH Rheinland-Pfalz, das Bildungswerk des Landessportbundes Rheinland-Pfalz e.V., die Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Rheinland-Pfalz e.V., die Katholische Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz - Landesarbeitsgemeinschaft e.V., die Landesarbeitsgemeinschaft anderes lernen e.V. und die die Landesvereinigung für ländliche Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz e.V.

Die Kampagne »Rette die Bildungskette« soll sicherstellen, dass Weiterbildung in Rheinland-Pfalz auch in Zukunft für alle gesellschaftlichen Schichten und Altersklassen verfügbar ist und bleibt. Am 18. Mai tritt voraussichtlich der neu gewählte Landtag zusammen und kann die politischen Weichen dafür stellen. Politische Entscheider wie jeder andere Bürger können das Anliegen unterstützen, indem sie die Petition auf www.rette-bildungskette.de unterschreiben.

Die staatlich anerkannten Weiterbildungsträger setzen neben der allgemeinen und politischen Bildung Akzente in einer Vielzahl von Themen. Maßnahmen und Projekte für Medienkompetenz, Programme zur Qualifizierung von Kursleitenden, Integrations- sowie Sprach- und Orientierungskurse für Geflüchtete und nachhaltige Angebote im Grundbildungs- beziehungsweise Alphabetisierungsbereich gehören dazu.


(12.04.2016, prh)

Zur Petition

 

Umfrage zur weiterbildungsbezogenen Informationssuche

Uni Hildesheim

Im Rahmen einer Untersuchung zur weiterbildungsbezogenen Informationssuche führt das Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie an der Universität Hildesheim eine Online-Befragung durch.

Das Ziel dieser Befragung ist es herauszufinden, wie Nutzer bei der Suche von Weiterbildungsangeboten (beispielsweise im Internet) vorgehen. Dazu werden Fragen hinsichtlich des Suchverhaltens, der Bekanntheit und Einschätzung von Weiterbildungsangeboten sowie der Auswahlkriterien von Informationsangeboten untersucht.

Die Umfrage besteht aus 22 Fragen und wird circa 10-15 Minuten dauern.

Die Umfrage ist anonym.


(12.04.2016, prh)

Zur Umfrage

 

Arbeitslosenversicherung: Ein-Euro-Job statt Weiterbildung?

IAQ

Wie soll es weitergehen mit der Arbeitslosenversicherung? Es müsste viel mehr für die Weiterbildung von Arbeitslosen getan werden, sagte Arbeitsmarktexperte Prof. Dr. Gerhard Bosch von der Universität Duisburg-Essen (UDE) heute (11.4.) anlässlich einer Bundestagsanhörung in Berlin. Denn obwohl es einen großen Bedarf gibt, wurde die Weiterbildung in den letzten Jahren drastisch zurückgefahren.

Er stellte den Abgeordneten eine Übersicht des Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) vor, nach der es 2000 noch 144.031 Maßnahmen mit Abschluss gab, 2007 waren es dann nur noch 33.856. Seither erholen sich die Zahlen zwar langsam wieder (64.504 in 2015), werden auf diesem Niveau allerdings längst nicht dem Bedarf gerecht. Bosch: »Für Arbeitslose muss es attraktiver werden, sich um die eigene Weiterbildung zu kümmern. Es ist geradezu absurd, dass heute 1-Euro-Jobs finanziell besser ausgestattet sind als die anspruchsvolleren Fördermaßnahmen«.

Ein 1-Euro-Jobber verdient durchschnittlich 1,50 Euro pro Stunde als Mehraufwandsentschädigung. Bei einer monatlichen Arbeitszeit von 120 Stunden wird das Arbeitslosengeld II um 180 Euro aufgestockt. Das heißt, so Bosch, heute können sich viele Arbeitslose eine längere Weiterbildung schlicht gar nicht leisten. Weil der Unterhalt finanziell so schlecht ausgestattet ist, brechen viele eine Maßnahme – vor allem eine längere – ab oder nehmen sie gar nicht erst auf.

Wer Zwischen- und Endprüfungen bestanden hat, sollte eine Prämie erhalten, rät Bosch: »Dies wäre ein guter Ansatz, um Weiterbildung attraktiver zu machen. Die Vorschläge im Arbeitslosenversicherungsschutz- und Weiterbildungsstärkungsgesetz gehen deshalb in die richtige Richtung«. Auch die Einführung eines Erwachsenen-BAFöGs sei zu unterstützen, um den Lebensunterhalt bei selbstgewählten Weiterbildungsmaßnahmen zu sichern. Das hat bereits die Expertenkommission »Finanzierung lebenslangen Lernens« 2004 vorgeschlagen.

»Die Arbeitslosenversicherung muss dringend weiterentwickelt werden«, so Bosch: »Dies erfordern schon die veränderten Arbeitsmärkte und die lange unzureichenden Investitionen in die Weiterbildung der Arbeitslosen«. Da der Arbeitsmarkt für einfache Tätigkeiten immer enger geworden ist, muss die Arbeitsmarktpolitik die Qualifizierung von Arbeitslosen stärker in den Blick nehmen und die berufliche Weiterbildung mehr fördern. Da es so viele gering qualifizierte Arbeitskräften gibt, bleiben die Integrationschancen ohne zusätzliche Weiterbildung gering.

(11.04.2016, prh)

 

Ende des Aufwärtstrends in der Weiterbildung

wbmonitor

wbmonitor ermittelt das Wirtschaftsklima für den Bildungsbereich Erwachsenen- und Weiterbildung

Im Jahr 2015 hat sich in der Weiterbildungsbranche der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen Jahre nicht fortgesetzt. Nur überwiegend betrieblich finanzierte Anbieter konnten sich von dem insgesamt leicht rückläufigen Gesamttrend abheben. Das haben die Auswertungen des wbmonitor 2015 ergeben, für den Weiterbildungsanbieter um eine Bewertung ihrer aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen Situation gebeten wurden.

Themenschwerpunkt der Umfrage 2015 war die öffentliche Förderung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch den Staat. Bund und Länder fördern mit unterschiedlichen Instrumenten die individuelle Teilnahme u.a. an beruflicher Weiterbildung, beispielsweise durch Bildungsgutscheine, die Bildungsprämie oder den Bildungsscheck NRW. 2014 wurden vier von zehn Weiterbildungsteilnehmenden öffentlich gefördert. Etwas mehr als die Hälfte davon sind Menschen, deren Teilnahme durch die Bundesagentur für Arbeit unterstützt wurde, z.B. Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit Bedrohte mit Bildungsgutscheinen.

wbmonitor stellt erstmals für die gesamte Weiterbildungslandschaft eine statistische Übersicht bereit, welche mit den jeweiligen Instrumenten geförderten Teilnehmenden von den unterschiedlichen Anbietertypen weitergebildet werden: 

  • Von der Bundesagentur für Arbeit (BA) geförderte Personen (u.a. mit Bildungsgutschein) werden in erster Linie von privaten (kommerziellen oder gemeinnützigen) sowie betrieblichen Einrichtungen qualifiziert.
  • Dass berufliche Schulen sowie wirtschaftsnahe Bildungszentren von Kammerorganisationen die höchsten Anteile durch das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (sog. „Meister-Bafög“) unterstützter Teilnehmende aufweisen, verdeutlicht das Angebot von Aufstiegsfortbildungen dieser Einrichtungstypen.
  • Teilnehmende in durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderten Integrationskursen finden sich vor allem an Volkshochschulen.
  • Prämiengutscheinen der Bildungsprämie sowie Scheckinstrumenten der Bundesländer kommt bei allen Einrichtungstypen eine vergleichsweise untergeordnete Bedeutung zu. 

Darüber hinaus informiert der wbmonitor mit umfangreichen Strukturdaten z.B. über das Personal in der Weiterbildung, Einnahmequellen, Themenschwerpunkte, Veranstaltungsformate und das Leistungsspektrum der Weiterbildungsanbieter.

Weitere Ergebnisse der wbmonitor-Umfrage 2015 finden Sie über den Link unten. Die Studie steht Open Access zur Verfügung.

Hintergrund
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das DIE erheben seit 2007 jährlich Daten zu aktuellen Entwicklungen der Weiterbildungsbranche, ihrer Organisation und ihres Angebots. Damit leistet diese bundesweite Trendstudie einen wichtigen Beitrag zur Anbieterforschung in der Erwachsenen- und Weiterbildung.

(08.04.2016, prh/DIE)

Weitere Ergebnisse des aktuellen wbmonitor ...

 

In Neuigkeiten & Terminen

Vergleichende (Weiter-)Bildungsforschung -Multidisziplinäre und länderübergreifende Forschungszugänge (Bonn)

vom 12.09.2016 bis zum 13.09.2016

Am 12. und 13. September 2016 wird das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) eine internationale wissenschaftliche Tagung zum Thema »International-Vergleichende (Weiter-)Bildungsforschung – Multidisziplinäre und länderübergreifende Forschungsansätze« in Bonn durchführen.

 

Deutscher Weiterbildungstag 2016 (bundesweit)

vom 29.09.2016 bis zum 29.09.2016

Der nächste Deutsche Weiterbildungstag findet am 29. September 2016 statt. Der Deutsche Weiterbildungstag ist ein bundesweiter Aktionstag für Bildung und Lebenslanges Lernen. Er findet alle zwei Jahre in Hunderten Städten und Gemeinden der Bundesrepublik statt. Deutschlandweit werden rund 750 Veranstaltungen und insgesamt 100.000 Besucher erwartet.

Für die sechste Auflage des Weiterbildungstages sind Neuerungen angekündigt. Allen voran das Schwerpunktthema: 2016 dreht sich alles um die Zukunft der (Weiter-)Bildung, den Mega-Trend Digitalisierung und »Weiterbildung 4.0«.

 

 

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