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Weiterbildungskosten in Deutschland bei über 36 Milliarden Euro

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Nach einer aktuellen Hochrechnung des FiBS liegen die Aufwendungen für Weiterbildung bei über 36 Milliarden Euro - dies ist mehr als doppelt so viel wie im Bildungsfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes angegeben.

Ermittelt wurden diese Zahlen für das Jahr 2015, welches auch das Bezugsjahr des aktuellen Bildungsfinanzberichts ist. Privathaushalte investieren dabei 10,8 Milliarden Euro, Betriebe 14,2 Milliarden Euro in Weiterbildung. Berücksichtigt man die steuerliche Refinanzierung privater Ausgaben, dann trägt die öffentliche Hand 11,4 Milliarden Euro.

Im Rahmen der Studie wurden vom FiBS die weiterbildungsbezogenen Finanzierungsdaten verschiedener Quellen aus den Jahren 2006 bis 2015 zusammengetragen und ausgewertet. Im Langzeitvergleich zeigt sich dabei, dass die Weiterbildungskosten in Deutschland in den letzten Jahren um rund 18,5% gestiegen sind, und zwar von 30,7 Milliarden Euro 2006 auf eben 36,4 Milliarden Euro 2015. In der Studie wurden neben direkten Kosten in Form von Teilnahmegebühren, Lernmaterialien oder Honorare für Dozent*innen auch die indirekten Kosten berücksichtigt, die Individuen aufgrund von Verdienstausfällen während der Fortbildungszeit oder Betrieben in Form von Lohnfortzahlungen entstehen können. Der Anteil dieser indirekten Kosten liegt bei etwa 36%.

Ebenfalls geschätzt wurde die Höhe der steuerbedingten Refinanzierung im Rahmen der Einkommens- bzw. Körperschaftssteuer. Das FiBS geht davon aus, dass jährlich rund 7 Mrd. Euro der betrieblichen und privaten Weiterbildungsausgaben über die Steuer refinanziert werden. Für Privatpersonen ist dabei jedoch der jeweilige Grenzsteuersatz relevant: Bezieher/innen hoher Einkommen profitieren von der steuerlichen Anrechenbarkeit von Fortbildungskosten stärker als Personen mit geringem Einkommen. »Gerade für Geringverdiener bedeutet die steuerliche Re-Finanzierung eine Benachteiligung«, so Dr. Michael Cordes, Projektleiter im FiBS. »Die derzeitigen Förderinstrumente im Bereich der Weiterbildung reichen nicht aus, um diese Benachteiligung zu kompensieren«.

»Insgesamt ist festzustellen, dass die Weiterbildungsausgaben heute deutlich geringer sind als um das Jahr 2000«, ergänzt FiBS-Direktor Dr. Dieter Dohmen. »Das liegt aber insbesondere daran, dass die Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit geringer sind als damals. In den letzten Jahren lässt sich hingegen ein Anstieg der öffentlichen Ausgaben beobachten. Allerdings muss mit Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung noch deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden. Die bisherigen Ansätze reichen trotz Qualifizierungschancengesetz bei weitem nicht aus. Insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen, aber auch die Beschäftigten brauchen eine an sie adressierte Förderung«.

Dass die hier ermittelten Beträge deutlich über dem Wert liegen, den der Bildungsfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2015 mit gerade einmal 15,1 Mrd. Euro ausweist, ist darauf zurückzuführen, dass zum einen indirekte Kosten nicht Gegenstand des Bildungsfinanzberichts sind und dort zum anderen als private Ausgaben nur die Teilnahmeentgelte für Volkshochschulen aufgeführt werden. Beide Aspekte wurden unter Bezug auf verschiedene aktuelle Studien in der Kostenschätzung des FiBS berücksichtigt

Hintergrund
Die Ergebnisse der Studie »Kosten der Weiterbildung in Deutschland – Verteilung der Finanzlasten auf Unternehmen, Privatpersonen, öffentliche Hand« von Dieter Dohmen und Michael Cordes wurden heute in der Reihe »FiBS-Forum« veröffentlicht.

Die veröffentlichte Studie ist Teil des vom FiBS durchgeführten Projekts »Volks- und regionalwirtschaftliche Kosten, Effekte und Finanzierung der Weiterbildung«. Das Projekt wird im Rahmen des Förderschwerpunkts »Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung« vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF gefördert.

Das FiBS ist eine private, interdisziplinäre Forschungs- und Beratungseinrichtung sowie ein führender Think Tank zum Thema Bildungsfinanzierung in Deutschland und Europa.

   (22.01.2019, prh/fibs)

Zur Studie (PDF, 23 Seiten)

 

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