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Soll Bildungsarbeit auf Dauer online stattfinden?

Digitale Bildung   VR (Symbolbild)

Die Zukunft der digitalen Bildung

Ende Mai diskutierten im österreichischen Rundfunk Ö1 unter der Rubrik »Science Arena« zwei hochkarätige Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung über eine Frage, die im Bildungsbereich viele bewegt. Das Portal »erwachsenenbildung.at« fasste die Ergebnisse in dem nachstehenden Text zusammen, den wir hier wiedergeben,

Bei der Bildungsdebatte trafen Friedrich Hesse und Christiane Spiel aufeinander, um sich der Frage nach künftigen Bildungsformaten aus zwei unterschiedlichen Standpunkten zu nähern. Sie taten das wohlgemerkt in Präsenz – und erstaunlich konsensuell.

Friedrich Hesse: KI als Privatlehrer*in

Der Tübinger Kognitionspsychologe und Spezialist für Fernstudien Friedrich Hesse ermutigte dazu, die digitalen Möglichkeiten in Zukunft noch intensiver zu nützen und gezielt nach Prozessen zu suchen, die digital besser umzusetzen sind als analog. Das größte Potenzial sieht er dabei aktuell im personalisierten Lernen.

Feedback sei eines der mächtigsten Instrumente beim Lernen, und hier könne Künstliche Intelligenz (KI) sehr viel leisten: Learning Analytics machen potenziell etwas ganz Ähnliches wie ein*e »Privatlehrer*in«, wenn sie den Lernenden konkrete Rückmeldungen über ihren individuellen Lernstand geben. Damit könnten Lernende ihre Selbstregulation verbessern und Selbstwirksamkeit steigern, und das sind für den Lernprozess ganz wesentliche Parameter: »Mit digitalen Werkzeugen kommen wir den Vorzügen eines Privatlehrers näher und können durch Nutzung künstlicher Intelligenz gar noch mehr – ohne, dass etwas fehlt. Die Organisation der Lehr- Lernszenarien und neue Rollenmodelle machen dann den Unterschied«, so Hesse.

Daneben ließe sich KI auch als Unterstützung des Präsenzunterrichts nutzen: Wenn Unterrichtende objektives Wissen über Lernende haben, können sie gezielt unterstützen.

Christiane Spiel: Menschliches unersetzbar

Dagegen trat die Wiener Bildungspsychologin Christiane Spiel auf und betonte den unersetzbaren Wert des Zwischenmenschlichen für den Lernprozess: »Digitalisierung kann die gute Lehrerin, den guten Lehrer und die gute Schule nicht ersetzen – genau diese brauchen wir! Daher: nicht alles digital!«

Ihr zufolge sind nicht alle Bildungsziele auf digitalen Wegen erreichbar. Trotz der Vorzüge des personalisierten Lernens mittels KI brauchen Lernende auch echte soziale Kontakte, so Spiel, insbesondere wo es um Motivation oder um soziales Lernen geht. Zu den psychologischen Grundbedürfnissen – auch beim Lernen – gehört neben Kompetenzerleben und Autonomie auch die soziale Eingebundenheit.

So betrachtet, seien auch Flipped Classroom-Settings als Form des individualisierten Lernens zu sehen und damit als zukunftsträchtig einzustufen. Gerade beim Flipped Learning habe sich in der Forschung bestätigt, wie wichtig es sei, Lernerfolge gemeinsam zu zelebrieren.

Fazit der Forscher*innen: Digitalisierung mit Mehrwert

Aus pädagogisch-psychologischer Perspektive waren sich die beiden Expert*innen erstaunlich einig: Man sollte beim Lernen alles digital machen, was digital besser geht - und das »ist schon eine ziemlich scharfe Trennlinie«, so Hesse. Dabei sei es lohnend, zwischen Lernen im Sinne von Studieren und Bildung zu unterscheiden.

Digitalisiert werden soll also (nur bzw. überall) dort, wo es dadurch einen Mehrwert gibt. Wo genau dieser Mehrwert möglich sei und wie digitalisiert werden solle, das sind weiterhin lohnende Fragen für die empirische Forschung – und zwar für interdisziplinäre Forschung, so das Abschlussplädoyer. Nur Bildungsexpert*innen und Informatiker*innen gemeinsam können demnach sinnvolle Ergebnisse liefern.

 

 
Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

(01.07.2022, eb/prh)

QUELLE: erwachsenenbildung.at

Sendungsinformation: Salzburger Nachtstudio vom 25.5.2022

vgl.: »Adaptives und individuelles Lernen mit digitalen Lernformaten: Umfrageergebnisse im Projekt ELe-com«

 

Betriebliche Weiterbildung in Corona-Zeiten

Cover    Betriebliche Weiterbildung in der Corona Pandemie

Welche Betriebe ziehen sich aus der betrieblichen Weiterbildung zurück?

In der Corona-Pandemie ist der Anteil der weiterbildenden Betriebe in Deutschland deutlich zurückgegangen. Dies zeigt sich besonders mit Blick auf die Beteiligung von Betrieben an der kursförmigen Weiterbildung, aber auch die Beteiligung an der nicht-kursförmigen Weiterbildung hat deutlich nachgelassen.

Der vorliegende Beitrag untersucht anhand der Daten des BIBB-Betriebspanels zu Qualifizierung und Kompetenzentwicklung, ob der Rückzug aus der betrieblichen Weiterbildung in der Corona-Pandemie mit bestimmten Betriebsmerkmalen einhergeht.

In einem ersten Schritt zeigen deskriptive Auswertungen zur Entwicklung der betrieblichen Weiterbildung, dass neben Kleinst- und Kleinbetrieben vor allem Betriebe aus dem Baugewerbe sowie aus dem Bereich »Medizinische Dienstleistungen« starke Rückgänge bei der Weiterbildungsbeteiligung verzeichnen.

Darüber hinaus wird in einem zweiten Analyseschritt der Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Weiterbildungsbeteiligung in der Corona-Pandemie und weiterer Betriebsmerkmale anhand multivariater logistischer Regressionsmodelle untersucht. Neben betrieblichen Strukturmerkmalen werden als weitere betriebsspezifische Faktoren das Ausmaß der Corona-Betroffenheit der Betriebe, das Ausmaß der Nutzung digitaler Technologien sowie Regelungen der Arbeitsorganisation berücksichtigt.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die unmittelbare Betroffenheit der Betriebe von der Corona-Pandemie nur teilweise mit dem Rückzug aus der Weiterbildungsbeteiligung zusammenhängt. Zudem wird deutlich, dass der Rückzug von Betrieben aus der Weiterbildung weniger wahrscheinlich ist, wenn Betriebe eine hohe Anzahl an digitalen Technologien nutzen oder das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen.

 

Creative Common lizenz (30.06.2022, prh)

Zur Publikation (PDF, 20 Seiten)

 

Wie motiviert sind Arbeitsuchende, wenn es um Weiterbildung geht?

Arbeitsuchend Schraubenschlüssel Jeans

Weiterbildung muss auf persönliche Ziele einzahlen: Für 42,8 Prozent der Befragten ist die Lernmotivation besonders hoch, wenn die Maßnahme zu den konkreten Zukunftsplänen passt.

Lernen während der Arbeitslosigkeit? Arbeitslosigkeit vielleicht sogar als Chance betrachten?

Dass dies möglich ist, bestätigt eine aktuelle Studie der Internationalen Hochschule (IU) – auch wenn die Gefühle der Befragten dazu gemischt sind. Die Studie befasst sich mit der Frage, wie motiviert Arbeitsuchende sind, wenn es um Weiterbildungsmaßnamen geht. Das Fazit: Grundsätzlich sind Arbeitsuchende Bildungsprogrammen gegenüber positiv gestimmt. Viele befürchten aber, nicht mehr lernfähig zu sein und haben Angst davor, Neues zu lernen.

Arbeitslos, nicht chancenlos!

Über ein Drittel der Befragten (37,2 Prozent) begreift Arbeitslosigkeit als Chance, besonders dafür, sich endlich einen erfüllenden Job zu suchen, der wirklich Freude macht: 48,0 Prozent derjenigen, die durch Ihre Arbeitslosigkeit neue Perspektiven erkennen, sehen diesen Punkt auf Platz Eins der Chancen. Die Arbeitslosigkeit bietet außerdem vor allem eines: mehr Zeit für die eigenen Zukunftspläne und für das, was man in Zukunft wirklich machen möchte. Das geben 42,4 Prozent an. Und 38,6 Prozent wollen die gewonnene Zeit für chancenreiche Weiterbildungsmaßnahmen nutzen.

Eine Chance, die auch Prof.in Dr.in Svenja Krämer, Professorin für Erwachsenenpädagogik an der IU Internationalen Hochschule, betont: »Weiterbildung ist kein reiner Wissenstransfer. Weiterbildung ist ein Impuls, eine Phase des Umdenkens, des Neugestaltens. Wer sich weiterbildet, knüpft Kontakte, lernt neue Leute kennen. Und entwickelt dadurch völlig neue Jobperspektiven, über die man vorher vielleicht einfach nicht nachgedacht hat. Man hat die Möglichkeit, nochmals über eigene Wünsche und Bedürfnisse nachzudenken und mit einer Zertifizierung im Gepäck ganz neue Erfolge im und Freude am Job zu bekommen. Vor allem ein formal anerkannter Abschluss unterstützt die Beschäftigungsfähigkeit.«

Lernen als Hürde? Barrieren abbauen!

Wer sich weiterbildet, lernt viel Neues. Doch der Schritt zurück ins Klassenzimmer stellt für einige eine Hürde dar: 29,5 Prozent der Befragten, die keine Motivation zu einer Weiterbildung verspüren, geben als Grund an, dass sie Schwierigkeiten damit haben würden, wieder zu lernen. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit eine belastende Zeit: 25,6 Prozent der Demotivierten fühlen sich durch den Jobverlust zu gestresst, um sich um eine Weiterbildung zu kümmern. Und 24,2 Prozent geben an, dass ihnen eine Weiterbildung nichts bringt.

Anbieter von Weiterbildungsprogrammen sollten diese Barrieren abbauen, erklärt Prof.in Krämer: »Lernen im Erwachsenenalter soll kein zusätzlicher Druck sein, sondern Perspektiven und Support bieten. Wieder zu lernen wird teils mit zusätzlichem Stress verbunden, das stellt für viele eine große Hürde dar. Doch die Sorge ist unbegründet. Durch eine niedrigschwellige Begleitung während der Weiterbildung mit Tutor*innen, persönlichen Ansprechpartner*innen und gemeinsamen Lernveranstaltungen mit anderen Studierenden können die Barrieren abgebaut werden. Lernen ist individuell. Lernprozesse und Lernverhalten sind etwas Persönliches.«

Wofür mache ich das eigentlich? Persönliche Lernmotivation.

Besonders hoch ist die Lernmotivation für 42,8 Prozent der Befragten, wenn das Gelernte auf die persönlichen Ziele einzahlt. 39,6 Prozent schätzen vor allem Angebote, deren Inhalte sie sofort in die Praxis umsetzen können und fühlen sich dadurch besonders motiviert. Die persönliche Entwicklung ist beinahe genauso wichtig: Für 38,6 Prozent ist es ausgesprochen motivierend, wenn sie eine persönliche Verbesserung während des Lernprozesses beobachten können.

So chancenreich Weiterbildungsangebote aber auch sein mögen, beinahe die Hälfte (44,7 Prozent) der Befragten plant der Studie zufolge momentan keine Weiterbildung. Fast jede*r Fünfte (19,2 Prozent) hat einfach noch nicht darüber nachgedacht, überhaupt eine Weiterbildung zu beginnen, während 17,4 Prozent der Befragten keine genaue Vorstellung davon haben, was sie eigentlich lernen sollen. 15,6 Prozent sehen keinen persönlichen Nutzen in einer Weiterbildung.

Die Motivation, eine Weiterbildungsmaßnahme zu ergreifen, steigt vor allem dann, wenn sich die Befragten sicher sein können, im Anschluss einen Job zu bekommen. Das geben 55,0 Prozent derjenigen an, die derzeit keine Weiterbildung planen. Und auch die Aussicht auf ein höheres Einstiegsgehalt im neuen Job würde 40,5 Prozent der Studienteilnehmer*innen ohne konkrete Weiterbildungspläne motivieren.

Hintergrund
Im Rahmen der IU-Studie »Lernmotivation in der Arbeitslosigkeit« wurden 1.002 Personen, die seit höchstens 24 Monaten arbeitslos sind, befragt. 43,1 Prozent der Befragten waren weiblich, 56,4 Prozent männlich und 0,5 Prozent divers. Die Studie ging der Frage nach, wie hoch die Motivation von Arbeitsuchenden ist, eine Weiterbildung zu absolvieren, welche Rolle das Thema Lernen dabei spielt und welche Hürden im Lernprozess bestehen. Dazu wurde die persönliche Motivation zum Lernen ebenso abgefragt, wie die Kriterien für ideale Weiterbildungsprogramme. Die Studie beschäftigt sich darüber hinaus mit den Gründen, warum Arbeitsuchende keine Weiterbildungsmaßnahmen ergreifen. (28.06.2022, IU/prh)

Zur Studie (PDF, 17 Seiten)

 

Nur 38 Prozent der Deutschen bewerten die eigene Digitalkompetenz als gut

Digitaltag2022

Digitale Kenntnisse sind Voraussetzung für eine sichere Nutzung digitaler Technologien

Zum Beispiel dann, wenn es darum geht, das Smartphone einzurichten, vertrauenswürdige Informationen im Netz zu finden oder die Fahrkarte mit einer App zu buchen.

Doch nicht jeder fühlt sich dafür ausreichend gewappnet: Nur vier von zehn Deutschen bewerten die eigene Digitalkompetenz als gut (38 Prozent). Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag der Initiative »Digital für alle«. Im Durchschnitt wird die eigene Digitalkompetenz weiterhin nur mit der Schulnote »befriedigend« bewertet (Schulnote 3,1; wie 2021). Im Vergleich der Altersgruppen zeigt sich dabei ein Gefälle: Während die Jüngeren von 16 bis 29 Jahren sich mit einer 2,6 im Durchschnitt die beste Note ausstellen, betrachten Ältere ab 75 Jahren ihre digitalen Fähigkeiten nur als »ausreichend« (Schulnote 3,9). Zwar geben sich die Seniorinnen und Senioren die schlechteste Note; doch zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Selbstwahrnehmung. Im Vorjahr lautete die Note noch 4,8 (»mangelhaft«).

Um allen Menschen eine Teilhabe an der digitalen Welt zu ermöglichen und die dafür erforderlichen Fähigkeiten zu vermitteln, findet heute der dritte bundesweite Digitaltag statt. Die Bundesministerin des Innern und für Heimat, Nancy Faeser, eröffnet den diesjährigen Aktionstag: »Die Digitalisierung verändert das Leben von uns allen. Digitale Kenntnisse und Kompetenzen für alle Bürgerinnen und Bürger in allen Generationen sind daher so wichtig. Denn digitale Teilhabe ist auch gesellschaftliche Teilhabe. Alle Bürgerinnen und Bürger sollten sich sicher und souverän in der digitalen Welt bewegen können. Deshalb gibt es den bundesweiten Digitaltag. In vielen Orten überall in Deutschland bringen wir so Menschen sehr einfach mit Digitalisierung in Berührung und laden zum Mitmachen und Ausprobieren ein«. Das Bundesministerium des Innern und für Heimat fördert in diesem Jahr den Digitaltag.

Dritter Digitaltag mit mehr als 2.000 Veranstaltungen und Aktivitäten

Digitalisierung erleben, entdecken und diskutieren: Das ermöglichen bundesweit zahlreiche Aktionen vor Ort und online – von Workshops und Tagen der offenen Tür, Infoständen auf Marktplätzen, Seminaren und Beratungsangeboten, Führungen und Diskussionen bis hin zu Hackathons. Einen Überblick gibt die interaktive Aktionslandkarte. Das Programm kann nach Themenkategorien in einer Aktionsübersicht gefiltert werden.

Hintergrund
Trägerin des Digitaltags ist die Initiative »Digital für alle«, in der sich 28 Organisationen aus Zivilgesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Wohlfahrt und öffentlicher Hand vereint haben mit dem Ziel, die digitale Teilhabe in Deutschland voranzutreiben. Dabei kann die Initiative auf breite politische Unterstützung von Bund und Ländern zählen. Neben Bundesministerin Nancy Faeser unterstützen acht Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten den Digitaltag in diesem Jahr mit Programm-Beiträgen.

Der Digitaltag wird durch einen ganztägigen Livestream unter digitaltag.eu begleitet. Die offizielle Eröffnung findet um 8.30 Uhr mit Bundesministerin Faeser statt. Den ganzen Tag über werden Gespräche mit hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern der Partnerorganisationen der Initiative »Digital für alle« übertragen. Das Programm ist online abrufbar. (24.06.2022, prh)

Digitaltag 2022: Programmübersicht

siehe auch: Digitaltag 2022 - Deutscher Bildungsserver und InfoWeb Weiterbildung informieren

 

Trend voranschreitender Akademisierung kommt vorerst zum Stillstand

DZHW4

Erste Bilanz zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Hochschulbildung

Fast die Hälfte der jungen Erwachsenen aus Deutschland nimmt heute ein Studium auf – noch 2005 war es weniger als jede*r Dritte. Jedoch scheint nach Jahren des Wachstums der Trend zur voranschreitenden Akademisierung vorerst zum Stillstand gekommen zu sein.

»Wir haben offenbar ein Sättigungsniveau erreicht«, sagt Professor Dr. Sandra Buchholz vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Sie ist eine der Autor*innen des gestern veröffentlichten 9. nationalen Bildungsberichts, der von verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen verantwortet wird. Im Bericht ziehen die Wissenschaftler*innen auch eine erste Bilanz zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Hochschulbildung.

»Die Pandemie hat einen Digitalisierungsschub in der Hochschullehre ausgelöst«, so Dr. Christian Kerst vom DZHW, Co-Autor des Bildungsberichts. Unklar sei, ob die Pandemie die Art des Lehrens und Lernens an deutschen Hochschulen wirklich dauerhaft verändert habe, so die beiden Wissenschaftler*innen. Einige pandemiebedingte Folgen ließen sich zudem erst in den kommenden Jahren ablesen.

Zentrale Befunde zur Hochschulbildung aus dem Bildungsbericht 2022:

  • Es gibt deutliche sektorale Verschiebungen in der Hochschulbildung. Private Hochschulen haben sich in der deutschen Hochschullandschaft fest etabliert, insbesondere im Fachhochschulsektor. 28 % der Studienanfänger*innen an Fachhochschulen entscheiden sich heute für eine private Hochschule. »Mit einem hochspezialisierten Studienangebot richten sich private Hochschulen sehr
    gezielt an beruflich Qualifizierte und Berufstätige«
    , erklären Buchholz und Kerst. »Mit ihrer ausgeprägt weiterbildenden Orientierung reagieren private Hochschulen auf einen offenkundig bestehenden Bedarf, den der öffentliche Hochschulsektor – auch aus wettbewerbsrechtlichen Gründen – bisher nicht in gleicher Weise abdecken kann.«
  • Obschon Deutschland über viele Jahre hinweg einen starken Akademisierungsschub erlebt hat, gibt es bisher keine Anzeichen für eine strukturelle Überakademisierung am deutschen Arbeitsmarkt. Den allermeisten Hochschulabsolvent*innen gelingt eine berufliche Platzierung, die ihrem akademischen Ausbildungsniveau entspricht. Das gilt auch für Bachelorabsolvent*innen, eine Gruppe, für die im deutschen Kontext immer wieder die Frage gestellt wird, ob ihre Abschlüsse am Arbeitsmarkt Akzeptanz finden.
  • Nur 15 % der herkunftsspezifischen Unterschiede beim Übergang ins Studium lassen sich auf dessen wahrgenommene finanzielle Kosten zurückführen. »Das ist ein sehr viel kleinerer Teil als viele Beteiligte der aktuellen BAFöG-Debatte wohl vermuten würden«, stellt Buchholz fest. Vor dem Hintergrund der geplanten, stufenweisen Reform des Bafög sei dies ein bildungspolitisch besonders wichtiger Befund des neuen Bildungsberichts. Zwar seien die Kosten ein wichtiger Faktor – aber: »Am Geld allein liegt es nicht, dass Studienberechtigte aus sozial schwächeren Familien seltener studieren«, erläutert Buchholz.
  • Der bereits seit mehreren Jahren zu beobachtende Trend länger werdender Studienzeiten setzt sich fort. Die Regelstudienzeit wird von den meisten Studierenden überschritten. Nur ein gutes Drittel aller Studierenden erreicht den Abschluss innerhalb der Regelstudienzeit. Knapp ein Viertel überschreitet die Regelstudienzeit sogar um mehr als 2 Semester. Zwar kein neuer Befund, erläutern Buchholz und Kerst, vor dem Hintergrund der sehr intensiv geführten Debatte um die Reform des BAföG sei es jedoch besonders erwähnenswert. »Die aktuellen Förderhöchstdauern des BAFöG spiegeln die Studienrealität der meisten Studierenden nicht wider«, fassen Buchholz und Kerst zusammen.
  • Wie alle Bildungsbereiche hat die Corona-Pandemie auch die hochschulische Bildung vor große Herausforderungen gestellt. Eine der größten Herausforderungen war, dass Hochschulen ihr Studien- und Lehrangebot sehr kurzfristig, nur wenige Tage vor Beginn des Sommersemesters, auf digitale Lehr-Lern-Formate umstellen mussten. Insgesamt ist Hochschulen die Umstellung auf den digitalen Betrieb vergleichsweise reibungslos gelungen. Das Bildungsangebot konnte für Studierende weitgehend aufrechterhalten werden. Nur wenige Studierende berichten einen umfassen deren Ausfall von Lehrveranstaltungen.
  • Die soziale und akademische Integration von Studierenden hat darunter jedoch gelitten. Die Mehrheit der Studierenden sagt, dass ihnen im digitalen Lehrbetrieb der Austausch mit Lehrenden und anderen Studierenden gefehlt hat. Auch war die Wohnsituation einiger Studierender nicht geeignet, um an digitalen Lehrveranstaltungen teilzunehmen. Die psychische Belastung von Studierenden hat sich in der Pandemie erhöht.
  • Gerade zu Beginn der Pandemie kam es zu vermehrten Jobverlusten bei Studierenden. Für Studierende, die ihren Job verloren haben, unbezahlt freigestellt wurden oder deren Arbeitszeit reduziert wurde, führte dies zu deutlichen finanziellen Einbußen. Eine der im Bildungsbericht präsentierten Studien zeigt, dass das diesen Studierenden monatlich zur Verfügung stehende Budget um ein Viertel einbrach.


Über den Nationalen Bildungsbericht
Der Bericht »Bildung in Deutschland« wird von einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftler*innen erstellt, die folgende Einrichtungen vertreten: Das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (Federführung), das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE), das Deutsche Jugendinstitut, das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen an der Georg-August-Universität sowie die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Die Kultusministerkonferenz und das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördern die Erarbeitung des Berichts.


(24.06.2022, prh)

Bildung in Deutschland 2022 (PDF, 419 Seiten)

vgl.: »Bildung in Deutschland 2022«: Erste übergreifende Bildungsbilanz im Licht der Corona-Pandemie

 

Covid-19 hat die Digitalisierung der Weiterbildung beschleunigt

DIE Bonn 3

Nichts hatte in den letzten Jahrzehnten so starke Auswirkungen auf die Weiterbildung wie Covid-19

Schwerpunktthema 2022 des gestern veröffentlichten Nationalen Bildungsberichts ist das Bildungspersonal und dessen Struktur, Entwicklung, Qualität und Professionalisierung. Der Bericht beleuchtet die Entwicklung des Bildungssystems unter den Bedingungen der Corona-Pandemie und widmet der Erwachsenenbildung und dem Lernen Erwachsener ein eigenes Kapitel.

Kein anderer Faktor hat sich in den letzten Jahrzehnten so stark auf die Weiterbildung ausgewirkt wie die Corona-Pandemie. Im ersten Halbjahr 2020 ist etwa das betriebliche Weiterbildungs-Engagement um 21 Prozentpunkte gesunken; Angebote wurden häufig auf digitale Formate umgestellt. Das pädagogische Personal erlitt durch diese besonderen Beschäftigungsbedingungen zeitweise starke Einkommensverluste. Die Weiterbildungsbeteiligung blieb trotz der (lockdownbedingten) Einschränkungen im Jahr 2020 hoch: Unter den 18- bis 69-Jährigen bildeten sich 57 Prozent non-formal und sogar 69 Prozent informell weiter.

Der hohe Bedarf an Weiterbildung erklärt sich u.a. durch den Struktur- und Klimawandel sowie die fortschreitende technologische Entwicklung. Er beschert dem Bildungsbereich auch höhere bildungspolitische Aufmerksamkeit: die Bildungspolitik reagierte u.a. mit der Nationalen Weiterbildungsstrategie auf drängende Herausforderungen wie der Qualifizierung von Fachkräften oder der Fort- und Weiterbildung des Bildungspersonals.

Der Trend geht deutlich zu kürzeren und digitalen Veranstaltungen, die sich auf die verschiedenen Anbietertypen jedoch sehr unterschiedlich verteilen. Offen bleibt, wie die Anbieterlandschaft der Weiterbildung in den nächsten Jahren aufgestellt sein muss, um annähernd gleiche Beteiligungschancen für alle Erwachsenen in Deutschland zu ermöglichen. Nicht zuletzt, weil sowohl das Lernen Erwachsener mit digitalen Medien als auch der regionale Zugang zu Weiterbildung in Deutschland ungleich verteilt sind.

Über den Nationalen Bildungsbericht
Der Bericht »Bildung in Deutschland« wird von einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftler*innen erstellt, die folgende Einrichtungen vertreten: Das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (Federführung), das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE), das Deutsche Jugendinstitut, das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen an der Georg-August-Universität sowie die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Die Kultusministerkonferenz und das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördern die Erarbeitung des Berichts. (24.06.2022, prh)

Bildung in Deutschland 2022 (PDF, 419 Seiten)

vgl.: »Bildung in Deutschland 2022«: Erste übergreifende Bildungsbilanz im Licht der Corona-Pandemie

 

Erste übergreifende Bildungsbilanz im Licht der Corona-Pandemie

In den vergangenen zwei Jahren war die Entwicklung des Bildungswesens überwiegend von Covid-19 geprägt

Das wird auch im heute veröffentlichten 9. nationalen Bildungsbericht »Bildung in Deutschland 2022« deutlich. Unter anderem wurden die digitalen Bildungsangebote enorm ausgebaut, ohne den Wegfall von Präsenzformaten überall ersetzen zu können. Zugleich ergaben sich große Zusatzbelastungen für Familien, Lernende und die pädagogischen Fachkräfte. Das Bildungspersonal steht auch im Mittelpunkt des Schwerpunktkapitels des Berichts. Wichtige Befunde: Der Bedarf an Qualifizierung steigt, und vor allem im Kita- und Schulbereich fehlt Personal.

»Viele Trends und Problemlagen, auf die vorherige Bildungsberichte hingewiesen haben, sind weiter aktuell. Die Corona-Pandemie hat den Blick hierfür geschärft und zugleich das Bildungsgeschehen erheblich beeinflusst. Wenngleich die Folgen noch nicht vollständig absehbar sind, erlaubt die Systematik des Bildungsberichts eine erste übergreifende Bilanz«, sagt Professor Dr. Kai Maaz, der Geschäftsführende Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Er ist Sprecher der Gruppe von Wissenschaftler*innen, die für den nationalen Bildungsbericht verantwortlich ist. Der Bericht wird alle zwei Jahre auf Basis von amtlichen Statistiken sowie sozialwissenschaftlichen Daten und Studien erstellt. Als systematische Bestandsaufnahme des gesamten Bildungswesens verfolgt er langfristige Entwicklungslinien und benennt neue Akzentuierungen.

Einige zentrale Befunde zu den Folgen der Corona-Pandemie für das Bildungswesen:

  • Seit dem ersten Lockdown im März 2020 haben viele Bildungseinrichtungen wiederholt keine Präsenzangebote machen können. An den Schulen erstreckte sich der Distanzunterricht allein bis Juni 2021 auf insgesamt vier bis fünf Monate. Das Aus- und Weiterbildungsangebot ist wiederum in einem Maße eingebrochen, das mit den Folgen der Finanzkrise 2008 vergleichbar ist.
  • Es fehlen mehr belastbare Daten, aber es gibt bereits Hinweise auf zurückgegangene fachspezifische Leistungen von Schüler*innen. Nach ersten Befunden sind etwa die Lesekompetenzen der Viertklässler*innen im Jahr 2021 gegenüber 2016 gesunken – auch wenn sich das nicht allein auf die Pandemie zurückführen lässt.
  • Der Wegfall von Bildungseinrichtungen als Sozialraum brachte erhebliche psychosoziale Belastungen mit sich. So beklagt die Mehrheit der Studierenden, dass ihnen der persönliche Kontakt zu Mitstudent*innen und Lehrenden fehlt. Und während des Lockdowns im Frühjahr 2020 standen nach eigenen Angaben nur 38 Prozent der Lehrkräfte mit allen oder fast allen Schüler*innen in regelmäßigem Kontakt.
  • An den Übergängen im Bildungssystem ergaben sich starke Unsicherheiten. Zwischen 2019 und 2021 sind zum Beispiel 7 Prozent weniger Jugendliche in eine berufliche Ausbildung eingemündet. Verlängerte Regelstudienzeiten und aufgeschobene Prüfungen dürften auch dazu beigetragen haben, dass die Zahl der Hochschulabsolvent*innen von 2019 auf 2020 um 6 Prozent gesunken ist.
  • Der Ausbau digital unterstützter Bildungsangebote hat sich beschleunigt. Dennoch nutzte während der Pandemie nur ein Drittel der Kitas digitale Formate für den Austausch mit Eltern und Kindern. Bei manchen Weiterbildungsanbietern stieß der Umstieg ebenfalls auf Hürden: Die Volkshochschulen konnten etwa im ersten Lockdown nur einen geringen Teil des geplanten Angebots digital umsetzen.
  • Die zuletzt sehr angespannte Personalsituation erschwerte in einigen Bereichen auch den Umgang mit der Pandemie. Zudem waren viele Lehrende gerade zu Beginn der Pandemie unzureichend auf den Wechsel zu Online-Formaten vorbereitet.
  • Das Schwerpunktkapitel des aktuellen Bildungsberichts widmet sich dem pädagogischen Personal. »Für gelingende Bildungsprozesse nimmt das Bildungspersonal eine Schlüsselrolle ein. Daher rückt es immer stärker in den Fokus des Interesses, Fachkräfte zu gewinnen und zu qualifizieren – nicht nur in Krisenzeiten«, betont Professor Maaz.

Ausgewählte Analysen des Schwerpunktkapitels »Bildungspersonal«:

  • Im Bildungsbereich arbeiten vielfältige Berufsgruppen mit unterschiedlichen Aufgaben zusammen – unter heterogenen Bedingungen. Beispiel: Während Lehrkräfte an Schulen vor allem hauptberuflich tätig sind, reicht der Anteil nebenberuflich Beschäftigter in der Weiterbildung bis zu 70 Prozent.
  • Die Anzahl der Beschäftigten an Kitas, allgemeinbildenden Schulen und Hochschulen sowie in Teilen der Weiterbildung ist seit 2010 teils merklich gestiegen. Allein in der Frühen Bildung lag der Zuwachs des Personals bei 75 Prozent. Die Beteiligung an den einzelnen Bildungsbereichen hat jedoch in einem ähnlichen Maß zugelegt, sodass sich die Betreuungsrelation im Ergebnis kaum verbessert hat.
  • Die Nachfrage nach Personal ist groß, was sich etwa an der gestiegenen Anzahl von Quer- und Seiteneinsteiger*innen festmachen lässt. Und der Bedarf wird weiter steigen. Das betrifft vor allem die Frühe Bildung in Westdeutschland (geschätzt 72.500 fehlende Fachkräfte bis 2025) und die Schulen (gut 30.000 fehlende Lehrkräfte bis 2030). Aufgrund neuer Anforderungen – etwa der Digitalisierung oder der Inklusionsbemühungen – braucht es zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen.
  • Die Qualifizierungsstandards beim Zugang zu pädagogischen Berufen sind sehr unterschiedlich. Das Spektrum reicht von niederschwelligen Belegen von Fachexpertise ohne pädagogische Qualifikation (etwa bei Lehrbeauftragten an Hochschulen) über berufliche Bildungsabschlüsse (zum Beispiel bei betrieblichen Ausbilder*innen) bis zum Hochschulstudium (beispielsweise für Lehrkräfte an Schulen).
  • Die Regularien für Fortbildungen und die Teilnahme daran variieren stark zwischen den Bildungsbereichen. Ohne Verpflichtung ist eine stetige Fortbildungsteilnahme abhängig von den Erwartungen der Träger und Einrichtungen oder eine private Angelegenheit. Mit 33 Prozent liegt die Fortbildungsquote des pädagogischen Personals aber über der aller Erwerbstätigen (17 Prozent).
  • Nicht nur vor diesem Hintergrund ergeben sich große Handlungsbedarfe im Bildungswesen. Maaz betont: »Viele Herausforderungen erfordern gesteigerte Aufmerksamkeit und haben sich durch die Corona-Pandemie teilweise noch verschärft. Dazu gehören unter anderem die nach wie vor hohe soziale Ungleichheit der Bildungschancen sowie der Abbau von Kompetenzarmut.« Insgesamt verweist der Bericht vor allem auf drei Ansatzpunkte:
  • Es braucht intensive, verbindliche und bereichsübergreifende Abstimmungsprozesse zwischen den Akteur*innen im Bildungswesen – auf Basis von empirisch gesicherten Informationen. Ziel ist, so die Reaktions- und Handlungsfähigkeit sowie die Verantwortlichkeit aller Beteiligten zu steigern.
  • Die Digitalisierung des Bildungsbereichs schreitet voran und muss systematisch begleitet werden. Besonders kommt es darauf an, die Investitionen in die Infrastruktur zu verstetigen, die digitalen Bildungsangebote auszubauen und das Personal dafür zu qualifizieren.
  • Angesichts wachsender Bedarfe sind in den kommenden Jahren erhebliche Anstrengungen vonnöten, um qualifiziertes pädagogisches Personal zu gewinnen. Neben zusätzlichen Fachkräften ist es auch von zentraler Bedeutung, die Fortbildungsstruktur und -kultur weiterzuentwickeln.

Über den Nationalen Bildungsbericht
Der Bericht »Bildung in Deutschland« wird von einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftler*innen erstellt, die folgende Einrichtungen vertreten: Das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (Federführung), das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE), das Deutsche Jugendinstitut (DJI), das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) an der Georg-August-Universität sowie die Statistischen Ämter des Bundes (Destatis) und der Länder. Die Kultusministerkonferenz (KMK) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördern die Erarbeitung des Berichts. (23.06.2022, prh)

Bildung in Deutschland 2022 (PDF, 419 Seiten)

vgl.: Covid-19 hat die Digitalisierung der Weiterbildung beschleunigt

 

Kompetenzzentren für digitalen und digital-gestützten Unterricht

BMBF 260

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Förderung von Kompetenzzentren für digitalen und digital gestützten Unterricht auf den Weg gebracht

Die Initiative wird flankiert von den Ländern, deren Fortbildungsinstitute eng mit den vom BMBF geförderten Forschungsprojekten zusammenarbeiten werden. Insgesamt sind die Einrichtung von vier Kompetenzzentren für digitales und digital-gestütztes Unterrichten geplant. Mit dem am 21. Juni 2022 veröffentlichen Förderaufruf für ein Kompetenzzentrum im MINT-Bereich legt das BMBF dafür den Grundstein.

Gefördert werden Verbundprojekte mit dem Ziel, digitalisierungsbezogene Fort- und Weiterbildungsangebote in den MINT-Fächern (Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik, Physik, Sachkunde) zu entwickeln, zu beforschen und zum Wissenstransfer beizutragen. Dieser soll in enger Kooperation mit der Lehrkräftefortbildung in den Ländern und unter Einbeziehung der Bildungswissenschaften, Medienwissenschaften und jeweiligen Fachdidaktiken stattfinden.

Das BMBF wird drei weitere Kompetenzzentren mit unterschiedlichem Fokus fördern: Sprache, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaft; musisch-kreative Fächer und Sport; digitale Schulentwicklung. Eine bundesweite Vernetzungs- und Transferstelle wird als Dach fungieren, übergreifenden Forschungsaktivitäten nachgehen und wissenschaftliche Standards digitaler Lehrkräftefortbildung entwickeln.

»Wir müssen unsere Lehrerinnen und Lehrer als Dreh- und Angelpunkte der digitalen Bildung mit Fortbildungsangeboten in diesem Bereich stärken. Dazu bringt das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem heutigen Tag die Förderung von Kompetenzzentren für digitalen und digital gestützten Unterricht auf den Weg. Den Anfang macht ein Kompetenzzentrum für MINT-Fächer, drei weitere werden folgen. Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag, um die Fortbildungslandschaft für Lehrerinnen und Lehrer zukunftsfit zu machen. Die Leitidee der Kompetenzzentren ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Lehrkräftefortbildung. Denn moderne Schulen brauchen Lehrinnen und Lehrer mit bester Digitalitätskompetenz. Gleichzeitig treiben wir so die Digitalisierung der Bildung weiter voran.«
Statement Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger


(23.06.2022, prh)

 

15. Volkshochschultag: Weiterbildung für eine Welt im Wandel

Volkshochschultag 2022

Volkshochschulen gegen steuerliche Belastung der Weiterbildung

Mit starken Statements gegen eine Umsatzsteuer auf vhs-Kurse hat gestern der 15. Volkshochschultag in Leipzig begonnen. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung erntete großen Beifall für seinen deutlichen Appell: »Selbstverständlich müssen Bildungsleistungen der Volkshochschulen weiterhin befreit sein von der Umsatzsteuer!«

Den rund 1.000 Teilnehmenden aus 300 Volkshochschulen und 16 vhs-Landesverbänden sprach er damit aus der Seele. Denn die Frage, inwieweit die Umsatzsteuerpflicht für Kommunen zumindest Teile des vhs-Angebots umfasst, sorgt derzeit vielerorts für Unklarheiten und Unruhe. Der Gesetzgeber müsse hier schnell für Klarheit sorgen, sagte der Leipziger Oberbürgermeister, der gleichzeitig Vizepräsident des Deutschen Städtetags ist.

Vorträge, Kurse und andere Veranstaltungen wissenschaftlicher und belehrender Art sind bisher laut Gesetz von der Umsatzsteuer befreit. Doch in vielen Kommunalverwaltungen herrscht aktuell Unsicherheit, ob dies für das gesamte Angebot der mittelbar oder unmittelbar kommunalen Volkshochschulen gilt oder ob Teile des Angebots von den Finanzbehörden als umsatzsteuerpflichtig bewertet werden könnten.

Die Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbands (DVV), Annegret Kramp-Karrenbauer, kündigte an, der vhs-Dachverband werde sich im Dialog mit der Politik auf Bundesebene für gesetzliche Klarstellung einsetzen. Man berufe sich dabei auf die Zusicherung im Koalitionsvertrag, wonach die Bundesregierung die Umsatzsteuerbefreiung für gemeinwohlorientierte Bildungsdienstleistungen europarechtskonform beibehalten wolle. Stellvertretend für die Ebene der Länder und der Kommunen, wandte sich die DVV-Präsidentin an den sächsischen Ministerpräsidenten und an Leipzigs Oberbürgermeister: »Bitte ermutigen Sie die Kommunen und die Länder, das bestehende Gesetz so vhs-freundlich wie möglich auszulegen.«

Lerninteressen von Menschen als Zeitvertreib und Freizeitzeitvergnügen abzuqualifizieren, nannte Kramp-Karrenbauer despektierlich und unangemessen. »Angesichts so vieler Engstirniger, die denken, sie bräuchten nichts mehr dazuzulernen, bin ich dankbar für jeden Menschen, der seinen Horizont erweitern möchte.«

Beim europaweit größten Weiterbildungskongress geht es gestern und heute um die Frage, wie lebenslanges Lernen wirksam zum Zusammenhalt in einer vielfältigen Gesellschaft, zur digitalen Teilhabe der breiten Bevölkerung und zu einem starken Bewusstsein für Nachhaltigkeit beitragen kann. Die vhs-Community sucht dazu das Gespräch mit hochrangigen Vertreter*innen der Politik in Bund, Ländern und Kommunen sowie den Austausch mit Expert*innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte in seiner Videoansprache die Volkshochschulen als »starke Partner, wenn es darum geht, dem lebenslangen Lernen vielfältige Räume zu geben«. Volkshochschulen vermittelten Fähigkeiten und erweiterten Horizonte: »Die Volkshochschulen leisten mit ihren Angeboten einen wichtigen Beitrag, Wissen zu erwerben und Orientierung zu erleichtern. Mit ihren Programmen geben sie den Menschen einen Raum, sich zu den wichtigen aktuellen Themen der Gegenwart nicht nur informieren, sondern vor allem auch austauschen zu können«, sagte der Bundespräsident.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der auch Präsident des sächsischen vhs-Landesverbandes ist, sagte in seinem Grußwort zur Eröffnung: »Die Volkshochschulen sind ein starkes und wichtiges Angebot bei uns im Land. Sie sind ein Ort der Wissensvermittlung, ein Forum der Weiterbildung und des Austauschs bis ins hohe Alter. Die vielen Angebote helfen dabei, Kompetenzen zu erwerben, gerade auch in schwierigen Zeiten Dinge zu verstehen und zu hinterfragen und eigene Sichtweisen auf den Prüfstand zu stellen.«

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung erinnerte an die Ursprünge der Volksbildung in der Weimarer Republik. »Getreu dem ursprünglichen aufklärerischen Gedanken sind die Volkshochschulen weiterhin ganz dem Menschen verpflichtet. Sie stehen für Menschenwürde, Chancengleichheit und Gerechtigkeit - auch und besonders durch Bildung. Denn Bildung ist der Schlüssel zur Welt, sie öffnet Türen, schafft Selbstbewusstsein und ermöglicht Selbstbestimmung«, führte der Oberbürgermeister aus. Er hob die Bedeutung der Volkshochschulen für die Bewältigung globaler Transformationsprozesse hervor: »Das Verständnis für Veränderungen ist die Voraussetzung für Verhaltensänderungen. Urteilsfähigkeit und Handlungskompetenz wollen herausgebildet werden.«

Neben dem politischen Dialog geht es beim Volkshochschultag auch um Konzepte für ein zukunftsweisendes Weiterbildungsangebot, das Menschen darin unterstützt, die vielfältigen Herausforderungen zu bestehen. Der DVV-Vorsitzende Martin Rabanus fasste die Forderungen der Volkshochschulen an die Politik zusammen, darunter die nach einer Bund-Länder-Initiative für digitale Weiterbildung. (21.06.2022, prh)

Weiterführende Informationen

 

»Kommission Bildung« will Bildungszeit für den Mittelstand optimieren

BVMW Logo

BVMW kooperiert über die »Kommission Bildung« mit dem BMAS bei der Ausgestaltung der Bildungszeit

Im Dezember des vergangenen Jahres hatte Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) in Zeitungsinterviews seine Vorstellungen zum Ausbau der Weiterbildung in der Bundesrepublik erläutert.

Für dieses Ziel plant der Bund, neben den bestehenden Instrumenten zur Weiterbildungsförderung unter anderem »ein System der Bildungszeiten« einzuführen, wie es in Österreich bereits praktiziert wird.

»Weiterbildung ist im Wandel der Arbeitswelt ein essenzieller Baustein«, begrüßt Markus Jerger, Vorsitzender des Bundesverbandes Der Mittelstand. BVMW, den Ansatz des Bundesministeriums. »Auch kleinere Unternehmen wissen um die Bedeutung von Weiterbildungsangeboten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es ist Teil einer attraktiven Arbeitgebermarke.«

Um die Arbeit des Bundesministeriums für Arbeit und Soziale zu unterstützen, hat sich der BVMW jetzt als erster Verband mit der neuen Weiterbildungs-Taskforce des Ministeriums zur Ausgestaltung des Bildungszeitgesetzes getroffen.

»Unsere Kommission Bildung hat genau den richtigen Zeitpunkt gewählt, um mit dem Arbeitsministerium das Thema Weiterbildung zu diskutieren. Es wird nun wichtig sein, diesen Austausch aufrecht zu halten, um das neue Bildungszeitgesetz im Sinne des Mittelstandes mit gestalten zu können«, so Jerger.

»Wir brauchen jetzt ein Instrument, um sowohl den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) als auch den Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmern eine echte Chance in der Weiterbildung zu geben und damit die Transformation der Arbeitswelt positiv zu gestalten«, betont Thiemo Fojkar, Vorsitzender der Kommission Bildung im BVMW und Vorsitzender des Vorstandes des Internationen Bundes IB. »Der Austausch mit dem Ministerium ist enorm wichtig, damit jetzt das neue Bildungszeitgesetz zu einem Katalysator in Richtung einer Weiterbildungsrepublik wird und nicht wie viele andere Programme in der Förderwüste verstaubt.«

  (21.06.2022, prh)

Weitere Informationen zur »Kommission Bildung«

vgl.: »BMAS: Bildungszeit für die Weiterbildung«

 

Trendstudie sieht Weiterbildungsbranche auf Erfolgskurs

Logo des Wuppertaler Kreises

Weiterbildungsdienstleister rechnen für das laufende Jahr mit einer positiven Entwicklung ihrer Umsätze

Nach den beiden durch die Pandemie geprägten Jahren 2020 und 2021 zieht die Nachfrage wieder an. Vor allem für Inhouse-Maßnahmen sehen die Weiterbildungsdienstleister eine steigende Nachfrage. Die Betriebe haben vor dem Hintergrund der Digitalisierung und dem Arbeitskräftemangel und der zum Klimaschutz notwendigen Transformation einen hohen Bedarf an Qualifizierungsmaßnahmen.

Der Geschäftslage-Indikator Weiterbildung des Wuppertaler Kreises ist nach einem Einbruch im Jahr 2020 im laufenden Jahr mit 124 Indexpunkten auf ein erfreulich hohes Niveau gestiegen. Der Indikator bildet den wirtschaftlichen Erfolg der Weiterbildungsdienstleister während des laufenden und des vergangenen Jahres sowie die Erwartungen für das kommende Jahr ab.

Die COVID-19-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen haben den digitalen Wandel in der Weiterbildung erheblich beschleunigt. Weiterbildungsdienstleister richten sich darauf aus, zukünftig einen hohen Anteil ihres Umsatzes mit digitalen Angeboten zu erzielen.

In den digitalen Arbeitswelten entwickelt sich für die Weiterbildungsdienstleister ein Umfeld mit hoher Veränderungsdynamik. Weiterbildungsprofis der Zukunft benötigen neben ihrem Fachwissen ein umfangreiches digitales Methodenwissen, um Weiterbildungsinhalte auch online vermitteln zu können.

WK    Zukunft der Weiterbildungsbranche

Die Weiterbildungsdienstleister sehen die Stärken von Online-Formaten vor allem bei Fachthemen und der Wissensvermittlung. Ein wichtiger Schwerpunkt für die Dienstleister wird performance support sein, die Bereitstellung von digitalen Bildungsprodukten auf Weiterbildungsplattformen, um Beschäftigte unmittelbar im Prozess der Arbeit zu unterstützen. Die Vermittlung sozialer Kompetenzen wie z.B. Führung und Persönlichkeitsentwicklung wird hingegen auch in Zukunft bevorzugt in Präsenzformaten stattfinden.

Über die Hälfte der Teilnehmenden in den Seminaren kommen aus kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten. Der Erfahrungsaustausch und die Vernetzung mit Teilnehmenden anderer Unternehmen in den offenen Angeboten der Weiterbildungsdienstleister ist für den Mittelstand weiterhin attraktiv. Es kommt nun darauf an, diesen Vorteil externer Angebote in digitalen Formaten zu erhalten.

Hintergrund
Der Wuppertaler Kreis - Bundesverband betriebliche Weiterbildung veröffentlicht regelmäßig Mitte des Jahres die Trendstudie zur Weiterbildung und informiert über aktuelle Entwicklungen im Weiterbildungsmarkt.

Quelle: Nach einer Mitteilung des WK

(20.06.2022, wk/prh)

Ergebnisse der Trendstudie (PDF, 38 Seiten)

 

Duales Studium: Unterschiede nach Bildungsinstitution

Hörsaal (leer)

Berufsakademien weisen im Vergleich zu Dualen Hochschulen Besonderheiten auf

Dual Studierende können in Deutschland abhängig vom Bundesland ihr Studium nicht nur an einer Hochschule, sondern auch an einer Berufsakademie absolvieren. Unterschiede zwischen den beiden Institutionen gibt es u.a. bei Studiendauer und Studienangebot. Doch auch die Studierenden unterscheiden sich. So weisen etwa Berufsakademien einen höheren Frauenanteil gegenüber dualen Hochschulen auf, wie eine aktuelle Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zeigt.

Vor rund 50 Jahren starteten mit den Berufsakademien die ersten Vorläufermodelle für das duale Studium in Deutschland. So beinhaltete das Studienmodell der ersten Berufsakademien in Stuttgart und Mannheim bereits 1974 die Kombination von Lernphasen im Unternehmen und in der Berufsakademie. Mittlerweile boomt das duale Studium. Berufsakademien mit einem klassischen dualen Studium gibt es allerdings nur noch in fünf Bundesländern.

»Berufsakademien bieten in Deutschland bereits seit einem halben Jahrhundert das, was heute für viele Bildungsinteressierte an erster Stelle steht – eine gut abgestimmte Verzahnung aus wissenschaftlicher Theorie und beruflicher Praxis. Vor diesem Hintergrund ist trotz einiger Umwandlungen in Duale Hochschulen ihre Bedeutung für die nachschulische Bildung nicht zu unterschätzen«, urteilt CHE Geschäftsführer Frank Ziegele.

Aktuell sind rund 10 Prozent aller 126.000 dual Studierenden in Deutschland an einer Berufsakademie eingeschrieben, die meisten davon in Sachsen und Hessen. Im Vergleich zum Jahr 2001 hat sich die Zahl der Studierenden von 28.000 auf 12.000 mehr als halbiert. Dies liegt vor allem an der Umwandlung der Institutionen in Duale Hochschulen in einigen Bundesländern. Inzwischen haben sich die Zahlen auf niedrigem Niveau stabilisiert und sind zuletzt sogar leicht gestiegen.

Eine aktuelle Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zeigt, dass sich dual Studierende an Berufsakademien jedoch von ihren Kommiliton*innen an Hochschulen leicht unterscheiden.

So weisen die Berufsakademien beim Vergleich der Studienanfänger*innen ohne Abitur mit 2,4 gegenüber 1,4 Prozent an Dualen Hochschulen einen höheren Anteil auf. Bei der Altersverteilung haben Berufsakademien deutlich mehr Erstsemester in den Altersgruppen von 23 Jahren und älter. Darüber hinaus zeigt sich ein breiteres Fächerspektrum bei den dualen Studienanfänger*innen an Berufsakademien. Diese Fächerstruktur ist möglicherweise auch für die höhere Frauenquote von 51,9 Prozent im Vergleich zu Dualen Hochschulen mit 43,6 Prozent verantwortlich. An Dualen Hochschulen kann hingegen ein größeres Studienangebot im Bereich Ingenieurwissenschaften zu den geringeren Frauenanteilen führen.

»Berufsakademien besetzen hinsichtlich der Sozialstruktur ihrer Studierenden und der angebotenen Studienfächer eine besondere Nische innerhalb des dualen Studienangebots«, bilanziert Lisa Mordhorst »Gerade im Vergleich zu den Dualen Hochschulen scheinen Berufsakademien besonders für ältere Studierende und Studierende ohne Abitur eine attraktive Alternative zu sein«, so die Autorin des »CHECKS Berufsakademien in Deutschland«.

Zusammen mit Co-Autor Nicolas Reum spricht sie sich dafür aus, die bestehenden Qualitäten dieser Bildungsinstitutionen unbedingt zu erhalten, sollte der Umwandlungsprozess von Berufsakademien in Duale Hochschulen weiter anhalten. Falls die Berufsakademien auch in Zukunft in einigen Bundesländern fortbestehen, gelte es, ihre Profile weiterhin dynamisch entsprechend der Zielgruppenbedürfnisse, etwa beim Ausbau gesundheitswissenschaftlicher Angebote, zu entwickeln.

Dabei sollte vor allem die Anschlussfähigkeit an andere akademische und berufliche (Fort-)Bildungsangebote im Fokus stehen, da im Gegensatz zu den Hochschulen an Berufsakademien keine dualen Master-Studiengänge absolviert werden können.

 

Hintergrund
Das CHE Format CHECK bietet einen schnellen Überblick zu unterschiedlichen Themen. Für eine Übersicht zum Thema Berufsakademien hat das CHE aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes sowie der Datenbank »AusbildungPlus« vom Bundesinstitut für Berufsbildung ausgewertet. Autor*innen der Publikation »CHECK – Berufsakademien in Deutschland« sind Lisa Mordhorst und Nicolas Reum.
(16.06.2022, prh)

CHECK – Berufsakademien in Deutschland (PDF, 22 Seiten)

 

Auf welche Weise nützt digitale Weiterbildung der Altenpflege?

ADAPT

IAT und PH Freiburg starten Online-Befragung

Weiterbildung in der beruflichen Pflege ist ein wichtiger Ansatz, um dem Fachkräftemangel in der Branche zu begegnen und berufliche Entwicklungsperspektiven zu eröffnen. Betriebliche Weiterbildung in der Altenhilfe erfolgt jedoch nur selten unter Berücksichtigung individueller Kompetenzprofile und -bedarfe. Bedarfsgerechtes Lernen und die Berücksichtigung individueller Lernpräferenzen und Lernerfordernisse kann durch digitale Technologien unterstützt werden.

Das vom BMBF geförderte Projekt ADAPT entwickelt ein digitales Weiterbildungsunterstützungssystem, um berufliche Weiterbildungsangebote an den Wandel von Versorgungs- und Arbeitsprozessen und individuellen Lernbedarf anzupassen. Ziel ist es, individuelle Lernprozesse besser zu unterstützen. Im bisherigen Projektverlauf wurde deutlich, dass die Beschäftigten das Gefühl haben, immer weniger Zeit im Lernen und zur Wissenserweiterung zu haben. Digitales Lernen und die damit verbundene Flexibilität von Ort und Zeit wird als geeignete Lösung gesehen, für die es aber aktuell noch keine ausreichenden betrieblichen Regelungen und Vereinbarungen gibt.

Mit der Online-Befragung soll identifiziert werden, unter welchen Bedingungen digital gestütztes Lernen in der Weiterbildung der Altenpflege derzeit umgesetzt wird und welche Erwartungen Pflegende an digital unterstützte Lernprozesse haben.

Die Online-Befragung richtet sich an beruflich Pflegende und Betreuungskräfte (z.B. Pflegefachpersonen, Pflegehilfskräfte, Assistenz- und Betreuungskräfte) in der Altenpflege (stationäre Langzeitpflege, ambulante Dienste, Kurzzeit- und Tagespflege). Die Befragung wird vom Institut Arbeit und Technik (IAT), Westfälische Hochschule (Gelsenkirchen) in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Freiburg (PH Freiburg) durchgeführt.

Die aus der Befragung gewonnenen Erkenntnisse liefern wichtige Hinweise, wie digital gestütztes Lernen bedarfs- und nutzer*innengerecht gestaltet und betriebliche Unterstützungsstrukturen aus Sicht beruflich Pflegender organisiert sein sollten.

Die Umfrage ist bis zum 26.06.2022 freigeschaltet und erfolgt anonym, persönliche Daten werden nicht erhoben. Rückschlüsse auf Personen sind daher ausgeschlossen.

(15.06.2022, prh)

Direkt zur Umfrage

ADAPT-Projektinformationen

 

Weiterbildung stärkt die Veränderungsfähigkeit

Stillstand vs. Veränderung

Betriebe können der Belegschaft Ängste nehmen, indem sie den Veränderungsprozess transparent machen und Mitarbeiter weiterbilden

Corona-Pandemie, ökologischer Wandel und Krieg: Mehrere große Herausforderungen krempeln seit geraumer Zeit die Arbeitswelt gehörig um. Hier werden zwei Geschäftsfelder zusammengelegt, dort müssen sich Abteilungen neu organisieren und der Trend hin zum mobilen Arbeiten verändert die Zusammenarbeit im Team. Für Mitarbeiter und Führungskräfte ist Veränderung häufig ein schmerzhafter Prozess, der genau geplant und erklärt werden muss.

Damit der Wandel gelingt, helfen sechs Aspekte: Notwendigkeit der Veränderung erklären, Strategie transparent machen, Ansprüche berücksichtigen, Mitgestaltungsmöglichkeiten schaffen, in Weiterbildung investieren und Fehlerkultur stärken. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Zusammenarbeit mit StepStone, New Work und Kienbaum untersucht, wie gut diese sechs Punkte aus Sicht der Führungskräfte und der Mitarbeiter erfüllt werden.

Wahrnehmung geht auseinander

Die Forschungspartner haben dafür über 3.600 Beschäftigte und knapp 1.500 Führungskräfte nach ihren Erfahrungen mit Transformationsprozessen in den vergangenen zwei Jahren gefragt. Das Ergebnis: Die Wahrnehmung beider Gruppen geht deutlich auseinander. So sieht etwa jede fünfte Führungskraft alle genannten Aspekte erfüllt, während es bei den Beschäftigten nur jeder zehnte ist. Besonders deutlich werden diese Unterschiede bei der Erklärung, warum die Veränderung notwendig ist. Zwei Drittel der Führungskräfte sind davon überzeugt, dass die Notwendigkeit ausreichend vermittelt wird. Dieser Meinung sind allerdings nur knapp 42 Prozent der Mitarbeiter. Dabei lohnt es sich, die sechs Aspekte zu beherzigen und auf die Mitarbeiter zuzugehen: Betriebe, die hierauf in Veränderungsprozessen achten, haben zufriedenere Mitarbeiter. Auch die Wechselneigung der Beschäftigten ist geringer.

Veränderungskultur und Weiterbildung

Die Auswertung zeigt außerdem, wie wichtig die Unternehmenskultur, genauer gesagt eine Kultur der Veränderung ist. Unternehmen, die die Veränderungsfähigkeit der Mitarbeiter fördern, sind oftmals erfolgreicher bei Transformationsprozessen. Dazu gehören auch Weiterbildungen: Diese stärken nicht nur die Veränderungsfähigkeit, sondern vermitteln den Mitarbeitern auch Wertschätzung.

»Wer sich sicher fühlt, ist eher bereit, sich Veränderungen zu stellen und diese aktiv mitzugestalten«, kommentiert IW-Direktor Michael Hüther. »Am Ende kommt es auf die Menschen an, die in einer Organisation Lösungen kreieren und umsetzen.«
  (14.06.2022, prh)

Zur Studie (PDF, 34 Seiten)

siehe auch Bundesregierung: »Allianz für Transformation«

 

Mit Teilqualifikation und Weiterbildung zum beruflichen Vollabschluss

Bewerbung

Große Jobchancen mit Teilqualifikationen

Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist der Königsweg in den deutschen Arbeitsmarkt, aber auch Arbeitskräften mit Teilqualifikationen (TQs) stehen viele Türen offen

Das zeigt eine Auswertung von 860.000 Online-Stellenanzeigen der Bau- und der Gastronomie-Branche im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. In mehr als zwei Dritteln der Job-Anzeigen für Fachkräfte sind zwar mehrere Teilqualifikationen, aber kein volles Berufsprofil gefragt. Bei Hilfskräften erwarten Betriebe hingegen mehr Kompetenzen als der Begriff »ungelernt« vermuten lässt.

Bei der Suche nach Küchen-Fachkräften fragen Arbeitgeber*innen in drei Viertel der Fälle (74,9 Prozent) nicht nach einer vollständigen Ausbildung, sondern geben sich im Schnitt mit knapp 5 (4,85) der sieben Teilqualifikationen zufrieden. Nur ein Viertel (25,1 Prozent) verlangt dagegen, dass die Bewerber*innen das vollständige Kompetenzprofil des Berufs beherrschen. Aber auch bei Hilfskräften in der Küche werden oft substanzielle Kompetenzen nachgefragt. Im Schnitt werden hier etwas mehr als 3 (3,1) Teilqualifikationen gesucht.

Ähnliche Ergebnisse zeigen sich auch für die Baubranche. So sind es bei Fachkräften im Straßen- und Asphaltbau vier von fünf (80,3 Prozent) der Stellen, die nur ein Teilprofil erfordern. Im Schnitt sollten Bewerber*innen hier knapp 4 (3,64) von 6 Teilqualifikationen mitbringen. Bei den Hilfskräften im Tiefbau ist es immer noch im Schnitt mindestens eine. Die Zahlen hat das Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erhoben.

»Die Studie zeigt, dass auf dem Arbeitsmarkt die traditionelle Zweiteilung in ausgelernte Fachkräfte und ungelernte Hilfskräfte keine Gültigkeit mehr hat«, kommentiert Martin Noack, Weiterbildungsexperte der Bertelsmann Stiftung. Die Arbeitsteilung in der Wirtschaft und die Spezialisierung der Betriebe hätten dazu geführt, dass immer häufiger Kompetenzprofile zwischen ,voll ausgebildet‘ und ,ungelernt‘ gefragt seien. »Wir brauchen daher einen flexiblen Weg, damit Menschen ihre on-the-job erworbenen Kompetenzen nachweisen können sowie die Möglichkeit haben, genau die TQ zu erwerben, die ihre Chancen am Arbeitsmarkt verbessert.«

Große Chance mit Teilqualifikationen – vor allem im Gastronomieservice

Über die fünf Berufsgruppen hinweg zeigt sich, dass Teilprofile die Nachfrage dominieren. Insgesamt werden bei den Fachkräften im Schnitt knapp zwei Drittel der Teilqualifikationen (59 Prozent) nachgefragt. Bei den Hilfskräften ist es immer noch knapp ein Viertel (24 Prozent). »Ein Berufsabschluss ist wie ein Generalschlüssel: Er öffnet die Türen zu allen Jobs in einem Berufsfeld. Aber auch mit einer Kombination von Teilqualifikationen können sich Bewerber*innen viele Türen öffnen«, sagt Noack.

Besonders deutlich zeigt sich dies beim Gastronomieservice. Hier reichen für Fachkräfte in 9 von 10 Stellen (92,7 Prozent) durchschnittlich 2,1 der sechs beruflichen Teilqualifikationen aus. Bei Hilfskräften werden mit 1,6 TQs im Schnitt kaum weniger verlangt. Klar an erster Stelle steht dabei die Teilqualifikation »Im Service arbeiten«, während »An der Rezeption arbeiten« und »Veranstaltungen vorbereiten und im Warenlager arbeiten« kaum gefragt wurden. Für Menschen ohne Berufsabschluss sind Teilqualifikationen damit eine große Chance. Ihre Kompetenzen sind der Schlüssel für eine direkte Beschäftigung. Erhalten sie die Möglichkeit, sich Schritt für Schritt weiterzubilden, wird ein beruflicher Vollabschluss greifbar, der sie für alle Bereiche eines Berufs qualifiziert.

Corona-Lockdown traf Gastronomiebranche hart, Baubranche profitierte sogar

Weil Online-Stellenanzeigen tagesgenau analysiert werden können, ist auch ein Rückschluss darauf möglich, wie stark die Auswirkungen von Lockdowns und späteren Lockerungen während der Corona-Krise waren.

So brach die Zahl der Stellengesuche für Hilfskräfte im Gastronomieservice zu Beginn des ersten Bundesweiten Lockdowns im März 2020 um mehr als 41,5 Prozent ein und brauchte lange, sich zu erholen. Der Einbruch bei den Fachkräften fiel dagegen mit einem Rückgang um knapp ein Drittel (32,5 Prozent) etwas weniger dramatisch aus.

Das Baugewerbe litt insgesamt viel weniger unter der Corona-Krise, wie sich an der Zahl der Stellenangebote ablesen lässt. Zudem stieg die Nachfrage und damit die Zahl der Online-Stellenangebote schon deutlich vor dem Ende des Lockdowns kräftig über das Vor-Coronaniveau an. Für den Arbeitsmarkt und für die Akteur*innen im Bereich der Weiterbildung eröffnet diese tagesgetreue Auswertung viele Möglichkeiten, sagt Noack: »Die Analyse von Online-Stellen hat das Potenzial, das Arbeitsmarktgeschehen künftig besser zu modellieren und adäquater auf Veränderungen reagieren zu können als bisher.«

Hintergrund
Für die Studie haben Forscher*innen der Humboldt Universität knapp 860.000 Online-Stellenanzeigen ausgewertet, die die Firma TextKernel BV zwischen dem 01.03.2018 und dem 31.03.2021 von verschiedenen deutschen Jobportalen gesammelt hat. Die Extraktionsalgorithmen für die Berufsgruppen und die Teilqualifikationen wurden von der Firma &effect entwickelt. Teilqualifikationen sind definiert als sinnvolle Teilmengen eines zu Grunde liegenden staatlich anerkannten Ausbildungsberufs. Sie können unter anderem durch Abschluss einer 2-6 monatigen Teilqualifizierung genannten Weiterbildung erworben werden. (09.06.2022, )

Zur Studie (PDF, 12 Seiten)

 

Mitarbeiterbindung mit attraktiven Arbeitsbedingungen und Angebote zur Fortbildung

 Vertragsunterzeichnung (Symbolbild)

Knapp dreiviertel aller Unternehmen befürchten derzeit, ihre Leistungsträger zu verlieren

In Zeiten des Fachkräftemangels sehen sich Unternehmen mit zwei zentralen Herausforderungen konfrontiert: Zum einen möchten sie der bestehenden Belegschaft attraktive Arbeitsbedingungen bieten und Leistungsträger halten. Zum anderen müssen sie überhaupt Bewerbende für offene Stellen gewinnen. Nicht ohne Grund bietet heute bereits ein Drittel aller Unternehmen vertraglich geregelte Antrittsprämien an.

Das geht aus einer aktuellen Arbeitsmarkstudie hervor, in der Unternehmen über ihre Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung befragt wurden.

Personalverantwortliche sehen demnach vor allem eine fehlende Work-Life-Balance (29 %) als Grund für Kündigungen. Aber auch eine hohe Arbeitsbelastung sowie Burnout sind für 26 Prozent aller Befragten ein möglicher Abwanderungsgrund, ebenso attraktivere Angebote von Wettbewerbern (24 %). Zudem fürchten Unternehmen, dass sie nicht in der Lage sind, wettbewerbsfähige Gehälter und Vergünstigungen anzubieten (23 %).

Berufliche Entwicklung und Erhöhung der Vergütungen

Laut der Studie haben viele der befragten Unternehmen reagiert und insbesondere in die Förderung und Weiterentwicklung ihrer Mitarbeitenden (40 %) investiert.

Darüber hinaus spielt auch die Vergütung eine wesentliche Rolle. Bereits 38 Prozent der Firmen erhöhten Gehälter oder zahlen zusätzliche Boni aus. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt ist die Wertschätzung der geleisteten Arbeit: 35 Prozent der Unternehmen verstärken bereits ihre Bemühungen, den Mitarbeitenden mehr Anerkennung zu zeigen.

»Maßnahmen zur Bindung der Mitarbeitenden sind in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen«, kommentiert Emine Yilmaz von der Personalberatung Robert Half, welche die Studie durchführte. »Berufliche Fortbildungen sind beispielsweise ein effektives Mittel zur Weiterentwicklung der Mitarbeitenden und wirken bestenfalls auch dem Fachkräftemangel entgegen, wenn neue Kompetenzen erworben und offene Stellen dadurch intern besetzt werden können. Die individuelle Form der Anerkennung durch Lob oder konstruktive Kritik erhöht langfristig die Motivation und reduziert die Gefahr, dass Arbeitnehmende das Unternehmen verlassen.«

Hybrid Work und höheres Einstellungsgehalt

Remote Work ist für 31 Prozent der Firmen ein geeignetes Mittel, um ihre Arbeitnehmenden zu halten und sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Doch nicht jedes Unternehmen schöpft aktuell alle Möglichkeiten zur Mitarbeiterbindung aus und möchte entsprechende Maßnahmen erst im laufenden Jahr umsetzen: Knapp die Hälfte (46 %) der Personalverantwortlichen möchte demnach flexible und hybride Arbeitsregelungen für Tätigkeiten anbieten, die üblicherweise im Büro ausgeführt werden. Auch eine stärkere Weiterentwicklung der Mitarbeitenden steht noch auf der Agenda für das Jahr 2022 (38 %), ebenso wie die Erhöhung und Angleichung der Gehaltsbänder (37 %).

»Das Gehalt hat immer eine wichtige Rolle gespielt und wird das auch weiterhin tun«, ergänzt Emine Yilmaz. »Dabei sollte die einfache Gehaltserhöhung jedoch nur als kurzfristiger Motivator für Arbeitnehmende angesehen werden. Wer in seiner Branche unterdurchschnittlich zahlt, wird es schwer haben, Mitarbeitende zu halten oder für sich zu gewinnen. Arbeitnehmende erwarten aber langfristig mehr als nur finanzielle Sicherheit. Eine sinnstiftende Tätigkeit ist für viele Fachkräfte die Idealvorstellung. Unsere Arbeitsmarktstudie zeigt, dass Unternehmen dies erkannt haben und entsprechende Maßnahmen schon umsetzen oder planen.«

Hintergrund
Die Studie wurde im März 2022 im Auftrag von Robert Half durchgeführt. In Deutschland wurden 300 Manager mit Personalverantwortung (General Manager, CIOs, CFOs) in kleinen (50-249 Mitarbeiter), mittelgroßen (250-499 Mitarbeiter) und großen (500+ Mitarbeiter) Unternehmen befragt. (08.06.2022, prh)

 

KMU: Deutlicher Rückgang bei den IKT-Weiterbildungen

IfM Bonn

Das Know how zur Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) findet sich weiterhin vorrangig in den Großunternehmen

Kleine und mittlere Unternehmen beschäftigen seltener IKT-Fachkräfte  als Großunternehmen (78 %): Lediglich in 17 % aller KMU fand sich in 2020 IKT-Personal.

Im Vergleich zu 2019 (30 %) sank im ersten Pandemiejahr der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Fortbildungen im IKT-Bereich anboten, um 8 %. Gleichwohl lag damit der Anteil immer noch über dem EU-Durchschnitt (18 %) in 2020.

Niedrige digitale Intensität bei den KMU

Abhängig von der Unternehmensgröße ist auch der Grad der digitalen Intensität: Für diese wird erfasst, wie viele von 12 festgelegten Technologien in einem Unternehmen zu finden sind. Demnach weisen die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland eine leicht niedrigere digitale Intensität als der EU-Durchschnitt auf. Die Großunternehmen in Deutschland liegen hingegen im EU-Durchschnitt.

Digitale Intensität (03.06.2022, prh)

Digitalisierungsprozesse von KMU (PDF, 48 Seiten)

vgl.: IT-Profis fühlen sich durch mangelnde Aus- und Weiterbildung ausgebremst

 

UPDATE: Die aktuellen Regelungen zur Präsenz-Weiterbildung während Corona

Informationen zum Status pandemiebedingter Regelungen im Weiterbildungsbereich der Bundesländer

STATUS: Präsenzveranstaltungen in der Erwachsenenbildung sind grundsätzlich möglich. In definierten »Hot Spots« kommt ggf. eine Maskenpflicht zur Anwendung.

Bis zum 2. April galt noch eine Übergangsregelung, in der die Bundesländer die bisherigen Maßnahmen aufrechterhalten konnten. Sollte es noch zu besonderen Infektionsschwerpunkten (»Hot Spots«) kommen, sind die Länder berechtigt, auch künftig regional weitergehende Maßnahmen wie 3G oder 2G+ per Landesgesetz beschließen.

Unsere bisher regelmäßig gepflegte Übersicht zu möglichen Einschränkungen für Präsenzseminare ist auf dem Stand vom 03.06.2022; bei Bedarf werden wir sie weiter aktualisieren. Bitte beachten Sie entsprechende Hinweise zu möglichen Updates!

Keine Rechtsberatung oder -auskunft! Alle Angaben ohne Gewähr. Irrtum vorbehalten.


(03.06.2022, prh/wp)

Pandemieverordnungen nach Bundesländern - Stand: 03.06.2022 (PDF, 4 Seiten)

 

BMBF: Mit Aktionsplan 2.0 starke Impulse für bessere MINT-Bildung setzen

mint vernetzt

BMBF will mit 45 Millionen Euro starke Impulse für bessere MINT-Bildung setzen

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger hat auf dem 10. Nationalen MINT-Gipfel ihren MINT-Aktionsplan 2.0 vorgestellt. Er bündelt die Fördermaßnahmen für bessere MINT-Bildung.

Stark-Watzinger: »Die MINT-Fachkräftelücke gefährdet Deutschlands Wohlstand und Innovationsfähigkeit. Deshalb steuern wir als Chancenministerium mit einem MINT-Aktionsplan 2.0 entlang der gesamten Bildungskette gegen. Mit 45 Millionen Euro wollen wir in fünf Aktionsfeldern starke Impulse für eine bessere MINT-Bildung setzen und die Kooperation auf allen Ebenen stärken. Dabei ist es besonders wichtig, die schulische und außerschulische MINT-Bildung enger zu vernetzen. Wir können es uns nicht länger leisten, MINT-Potenzial ungenutzt zu lassen. Wir brauchen die Fachkräfte, um die großen Herausforderungen wie den Klimawandel zu meistern.«

Im MINT-Aktionsplan bündelt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seine MINT-Fördermaßnahmen entlang der gesamten Bildungskette von der Kita bis zur Hochschule und der Aus- und Weiterbildung.

Zu den geförderten MINT-Maßnahmen zählen u.a. die Initiative Haus der kleinen Forscher, Schülerwettbewerbe wie Jugend forscht, MINT-Cluster, die vor Ort MINT-Angebote für Jugendliche koordinieren oder die bundesweite Geschäftsstelle MINTvernetzt. Mit dem MINT-Aktionsplan 2.0 führt das BMBF seinen vernetzten und ganzheitlichen Ansatz in der MINT-Bildungsförderung fort.

Auf fünf Aktionsfeldern sollen zielgerichtete neue Impulse gesetzt werden. Dafür stellt das BMBF insgesamt rund 45 Millionen Euro bereit.

MINT Kompetenzen

Mit MINTvernetzt fördert das BMBF eine zentrale bundesweite Anlaufstelle, die die Akteurinnen und Akteure mit Serviceangeboten, Beratung und Vernetzungsformaten unterstützt.

MINTvernetzt programmiert derzeit eine Community Plattform, die ab diesem Jahr den MINT-Akteurinnen und –Akteuren ein eigenes digitales Forum ermöglichen wird, zur leichteren Vernetzung untereinander, zum Austausch von Fragen, von best-practice oder neuesten Forschungserkenntnissen, um die Qualitätsentwicklung der MINT-Angebote weiter voranzutreiben.

Zusätzlich fördert das BMBF ab diesem Jahr die Einrichtung eines MINT-Campus. Im MINT-Campus werden Qualifizierungs-, Fortbildungsangebote und Train-the-Trainer-Module und unterstützende Materialien (zum Beispiel für die Social Media Arbeit) gebündelt und frei zugänglich gemacht, um MINT-Akteurinnen und -Akteure zu unterstützen und weiter zu professionalisieren. (02.06.2022, prh)

Weiterführende Informationen

MINTvernetzt

 

Weiterbildungskonzept fördert Medien- und IT-Kompetenz von Ausbilder*innen

MIKACAMPUS

Mit neuem Weiterbildungskonzept Ausbildungspersonal fit für die Zukunft machen

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erweitert sein Weiterbildungsangebot für das betriebliche Ausbildungspersonal in der beruflichen Bildung. Ab sofort steht im Internetangebot des BIBB der MIKA-CAMPUS  zur Verfügung. Die vom BIBB entwickelte Lernplattform für die Aneignung digitaler und medienpädagogischer Grundlagen ist als erster von drei Bausteinen des Projekts »Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal« (MIKA) an den Start gegangen.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Weiterbildungsangebot hat das Ziel, den Einsatz von digitalen Medien in der betrieblichen Ausbildung zu etablieren. Es unterstützt das betriebliche Ausbildungspersonal durch angeleitete praxisnahe Übungen in Präsenzveranstaltungen, Webinaren und Selbstlernphasen und ermöglicht auf diese Weise, digitale und medienpädagogische Kompetenzen zu erwerben beziehungsweise zu erweitern. Die berufsbegleitende Weiterbildung ist im BIBB entwickelt und mit externen Partnerinnen und Partnern erprobt worden, zum Beispiel mit Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie Berufsbildungswerken.

Ganz praktisch können Ausbilderinnen und Ausbilder auf dem MIKA-CAMPUS erfahren, wie sie mit ihren Auszubildenden virtuell am besten interagieren oder wie Teamarbeit und Feedback-Gespräche digital organisiert werden können. Weitere Lernbausteine befassen sich beispielsweise mit dem Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeitswelt oder mit der Frage, welche Lizenz es zum Beispiel erlaubt, im Internet recherchierte Inhalte rechtskonform für die Ausbildung zu verwenden? Dabei werden die Nutzerinnen und Nutzer von der virtuellen Moderatorin und Auszubildenden Mika durch die verschiedenen Lernbausteine begleitet.

Für BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser steht und fällt die Qualität des dualen Berufsbildungssystems in Deutschland mit der Qualität des Ausbildungspersonals. »Für das Bundesinstitut für Berufsbildung hat daher die kontinuierliche Unterstützung der Ausbilderinnen und Ausbilder in ihrer Rolle als Lernbegleitende der Auszubildenden eine hohe Priorität. Vom gezielt gewählten didaktischen Ansatz, die Aneignung von Medien- und IT-Kompetenz in den unmittelbaren Ausbildungsprozess der Ausbilderinnen und Ausbilder einzubetten, versprechen wir uns eine hohe Akzeptanz für dieses Weiterbildungsformat. Eine im Sommer 2022 startende wissenschaftliche Analyse des MIKA-Gesamtkonzepts soll es dem BIBB zudem ermöglichen, hier einen ersten bundesweiten Standard zur Förderung von Medien- und IT-Kompetenz des betrieblichen Ausbildungspersonals zu setzen.«

Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres folgen dann im Sommer 2022 die beiden weiteren Projekt-Bausteine: die MIKA-SEMINARE, ein niedrigschwelliges Weiterbildungsangebot für das betriebliche Ausbildungspersonal im Blended-Learning-Format, sowie ein Train-the-Trainer-Konzept (MIKA-TRAINER/-IN). Die zweitägige Schulung ist für zukünftige Leiterinnen und Leiter der MIKA-SEMINARE verpflichtend. Ziel ist es dabei, bundesweit einen Qualitätsstandard für die Durchführung der entwickelten MIKA-SEMINARE zu gewährleisten.

Hintergrund
Das Gestaltungspotenzial digitaler Medien in der betrieblichen Ausbildung wird bislang kaum ausgeschöpft. Der Einsatz erfolgt häufig unsystematisch oder zufällig und in Abhängigkeit davon, wie gut sich das Ausbildungspersonal mit digitalen Medien auskennt. Die Unsicherheiten über rechtliche Rahmenbedingungen sind groß, die Kenntnisse über didaktische Potenziale oder betriebliche Einsatzmöglichkeiten noch gering. Das Weiterbildungsangebot MIKA will diese Lücke schließen und die digitale berufliche Handlungskompetenz des Ausbildungspersonals stärken.

  (25.05.2022, prh)

MIKA-Portal

 

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EPALE Diskussion: Die Zukunft der Erwachsenenbildung (online)

vom 08.07.2022 um 10:00 Uhr bis zum 08.07.2022 um 16:00 Uhr

Am Mittwoch, dem 8. Juli 2020, lädt EPALE von 10.00 bis 16.00 Uhr zu einer Online Diskussion zur Zukunft der Erwachsenenbildung ein.

  • Wie stellen Sie sich die Zukunft des Bildungssektors Erwachsenenbildung in den nächsten fünf oder zehn Jahren vor?

  • Was glauben Sie wird passieren - und was möchten Sie dass es passiert? 

  • Welche neuen Herausforderungen und Chancen werden sich ergeben?

Nehmen Sie teil an der Online-Diskussion, die von Gina Ebner, EPALE-Expertin und Generalsekretärin der EAEA, moderiert wird.

Ab dem 29. Juni 2020 können Sie Kommentare posten, um sich kurz vorzustellen, oder falls Sie am Tag der Diskussion verhindert sind. Sie können auf Deutsch oder Englisch mitdiskutieren.

 

(Aus)Bildungskongress der Bundeswehr (hybrid: Online und z.T. Hamburg)

vom 06.09.2022 bis zum 08.09.2022

Thema: »Digitale (Aus-)Bildung: Wird Intelligenz tatsächlich ‚künstlich‘?«

Der (Aus)Bildungskongress der Bundeswehr – bis 2014 noch unter dem Namen Fernausbildungskongress – verbindet seit 2004 die Perspektiven Technik und Bildung aus wissenschaftlichem und praktischem Blickwinkel.

Aus diesem Selbstverständnis heraus ist es gerade jetzt interessant, das Thema Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) in der Aus-, Fort- und Weiterbildung in den Fokus zu nehmen.

Daher sind Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft (Bildungs-, Sozial-, Ingenieurs-, Technik- und Wirtschaftswissenschaften) ebenso wie die Expertinnen und Experten der Bildungspraxis aus Bundeswehr, Wirtschaft und Industrie eingeladen, sich über die drei Kongresstage am Dialog zu beteiligen.

 

(Aus)Bildungskongress der Bundeswehr (hybrid: Online und z.T. Hamburg)

vom 06.09.2022 bis zum 08.09.2022

Thema: »Digitale (Aus-)Bildung: Wird Intelligenz tatsächlich ‚künstlich‘?«

Der (Aus)Bildungskongress der Bundeswehr – bis 2014 noch unter dem Namen Fernausbildungskongress – verbindet seit 2004 die Perspektiven Technik und Bildung aus wissenschaftlichem und praktischem Blickwinkel.

Aus diesem Selbstverständnis heraus ist es gerade jetzt interessant, das Thema Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) in der Aus-, Fort- und Weiterbildung in den Fokus zu nehmen.

Daher sind Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft (Bildungs-, Sozial-, Ingenieurs-, Technik- und Wirtschaftswissenschaften) ebenso wie die Expertinnen und Experten der Bildungspraxis aus Bundeswehr, Wirtschaft und Industrie eingeladen, sich über die drei Kongresstage am Dialog zu beteiligen.

 

7. Weiterbildungstag Schleswig-Holstein (Kiel)

vom 22.09.2022 um 14:00 Uhr bis zum 22.09.2022 um 17:30 Uhr

Für mehr berufliche Weiterbildung in Schleswig-Holstein

So lautet der Titel des diesjährigen Weiterbildungstages. Er findet am 22. September 2022 von 14.00 Uhr bis 17.30 Uhr im Maritim Hotel Bellevue in Kiel statt.

Weiterbildung eröffnet Möglichkeiten für alle, ganz gleich ob Einsteiger*innen oder mitten im Berufsleben, ob in der beruflichen Neuorientierung oder fest im Job.

Doch wie erreicht man mehr und passgenauere Weiterbildung in den Betrieben? Um diese Frage dreht sich die Veranstaltung.

Hierzu gibt es eine Keynote aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Es werden Best-Practice-Beispiele vorgestellt und Akteur*innen aus Verwaltung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden in einer spannenden Podiumsdiskussion an einen Tisch geholt.

Weitere Informationen zu Programm und Anmeldemöglichkeiten folgen...

 

9. BIBB-Berufsbildungskongress (Bonn)

vom 27.10.2022 bis zum 28.10.2022

Kongress-Motto: »Future Skills – Fortschritt denken«

Die duale Berufsausbildung leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Sie hat aber in den vergangenen Jahren unbestreitbar an Attraktivität eingebüßt, was sich unter anderem in einem deutlichen Rückgang der Ausbildungsvertragszahlen manifestiert. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch einmal verstärkt.

Zugleich werden zur Bewältigung der anstehenden enormen Herausforderungen – Digitalisierung, Energiewende, Klimawandel und Nachhaltigkeit – gut qualifizierte Fachkräfte in ausreichender Zahl benötigt. Denn ohne sie ist das Erreichen der großen Ziele nicht möglich.

Vor diesem Hintergrund will der 9. Berufsbildungskongress des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) eine aktuelle Standortbestimmung vornehmen, Lösungsansätze diskutieren und Perspektiven für die Zukunft aufzeigen.

Der BIBB-Kongress findet statt am 27. und 28. Oktober 2022 im World Conference Center Bonn (WCCB) und hat das Motto »Future Skills – Fortschritt denken«.

 

 

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