Ariadne Pfad:

Inhalt

Nationaler Bildungsbericht 2026 veröffentlicht

DIPF 11

Nationaler Bildungsbericht 2026: Bekannte Probleme, fehlende Lösungen 

»Bildung in Deutschland 2026« – so heißt der alle zwei Jahre erscheinende Bericht, den Forschende des DIPF zusammen mit anderen Forschungseinrichtungen auf Basis amtlicher Statistiken und wissenschaftlicher Studien erstellen. Er erscheint 2026 zum elften Mal und zieht damit eine Bilanz über 20 Jahre Bildungsberichterstattung. Das Ergebnis ist ernüchternd: Trotz zahlreicher Reformen kommt das Bildungssystem kaum voran.

Der geschäftsführender Direktor des DIPF,  Kai Maaz, bringt es auf den Punkt: Was fehle, sei keine weitere Problemanalyse – die Schwachstellen seien seit Langem bekannt. Was fehle, sei eine konsequent abgestimmte Steuerung, damit Unterstützung nicht an Zuständigkeitsgrenzen ende.

Schulleistungen: Der Rückstand wächst

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei den Schulleistungen. 2024 verfehlte fast ein Viertel der Schüler*innen, die mindestens einen Mittleren Schulabschluss anstreben, den Mindeststandard in Mathematik – das sind 9 Prozentpunkte mehr als noch 2018. Mehr als 40 Prozent der Achtklässler*innen gelten inzwischen als schwach in computer- und informationsbezogenen Kompetenzen. Und der Anteil junger Menschen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, ist auf rund 8 Prozent gestiegen.

Dazu kommt: Der Lehrkräftemangel wird nicht nur durch fehlende Stellen, sondern auch durch sinkende Qualifikation sichtbar. Rund 12 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen haben keine anerkannte Lehramtsausbildung – doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.

Ausbildung und Weiterbildung unter Druck

Auch im Bereich der Berufsausbildung verschlechtern sich die Zahlen. 2025 kamen auf 100 Bewerber*innen nur noch 95 angebotene Ausbildungsplätze, 492.000 Berufsabschlüsse markierten einen neuen Tiefstand.

Zugleich sinkt die betriebliche Weiterbildungsbeteiligung: Nur noch 44 Prozent der Betriebe stellten 2024 Beschäftigte für Weiterbildung frei oder übernahmen Kosten – gegenüber 55 Prozent im Jahr 2019. Besonders selten profitieren Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss: 45 Prozent dieser Gruppe haben sich nach eigenen Angaben noch nie weitergebildet.

Herkunft bestimmt Bildungschancen – noch immer

Das Schwerpunktthema des Berichts ist soziale Ungleichheit. Kinder aus einkommensschwachen oder bildungsfernen Familien haben in fast jeder Bildungsphase schlechtere Chancen – bei der Kitanutzung, beim Schulstart, beim Übergang auf das Gymnasium, beim Berufsabschluss und beim Studium. Schon vor der Schule klafft eine messbare Lücke: Nur 20 Prozent der Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss besuchen unter drei Jahren eine Kita, bei hochgebildeten Eltern sind es 39 Prozent.

Kai Maaz: Punktuelle Programme reichten nicht aus. Entscheidend seien langfristige und gut abgestimmte Strukturen entlang der gesamten Bildungskette – beginnend in der frühen Kindheit.

 

(15.06.2026, prh - nach einer DIPF-Meldung)

Inhalt auf sozialen Plattformen teilen (nur vorhanden, wenn Javascript eingeschaltet ist)