Nationaler Bildungsbericht 2026 veröffentlicht

Nationaler Bildungsbericht 2026: Bekannte Probleme, fehlende Lösungen
Der geschäftsführender Direktor des DIPF, Kai Maaz, bringt es auf den Punkt: Was fehle, sei keine weitere Problemanalyse – die Schwachstellen seien seit Langem bekannt. Was fehle, sei eine konsequent abgestimmte Steuerung, damit Unterstützung nicht an Zuständigkeitsgrenzen ende.
Schulleistungen: Der Rückstand wächst
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei den Schulleistungen. 2024 verfehlte fast ein Viertel der Schüler*innen, die mindestens einen Mittleren Schulabschluss anstreben, den Mindeststandard in Mathematik – das sind 9 Prozentpunkte mehr als noch 2018. Mehr als 40 Prozent der Achtklässler*innen gelten inzwischen als schwach in computer- und informationsbezogenen Kompetenzen. Und der Anteil junger Menschen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, ist auf rund 8 Prozent gestiegen.
Dazu kommt: Der Lehrkräftemangel wird nicht nur durch fehlende Stellen, sondern auch durch sinkende Qualifikation sichtbar. Rund 12 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen haben keine anerkannte Lehramtsausbildung – doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.
Ausbildung und Weiterbildung unter Druck
Auch im Bereich der Berufsausbildung verschlechtern sich die Zahlen. 2025 kamen auf 100 Bewerber*innen nur noch 95 angebotene Ausbildungsplätze, 492.000 Berufsabschlüsse markierten einen neuen Tiefstand.
Zugleich sinkt die betriebliche Weiterbildungsbeteiligung: Nur noch 44 Prozent der Betriebe stellten 2024 Beschäftigte für Weiterbildung frei oder übernahmen Kosten – gegenüber 55 Prozent im Jahr 2019. Besonders selten profitieren Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss: 45 Prozent dieser Gruppe haben sich nach eigenen Angaben noch nie weitergebildet.
Herkunft bestimmt Bildungschancen – noch immer
Das Schwerpunktthema des Berichts ist soziale Ungleichheit. Kinder aus einkommensschwachen oder bildungsfernen Familien haben in fast jeder Bildungsphase schlechtere Chancen – bei der Kitanutzung, beim Schulstart, beim Übergang auf das Gymnasium, beim Berufsabschluss und beim Studium. Schon vor der Schule klafft eine messbare Lücke: Nur 20 Prozent der Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss besuchen unter drei Jahren eine Kita, bei hochgebildeten Eltern sind es 39 Prozent.
Kai Maaz: Punktuelle Programme reichten nicht aus. Entscheidend seien langfristige und gut abgestimmte Strukturen entlang der gesamten Bildungskette – beginnend in der frühen Kindheit.
