Weiterbildung statt Warteschleife
Hier mehr als eine Million Menschen ohne passende Arbeit, dort Hunderttausende Stellen, die keiner besetzt. Was wäre, wenn ein Teil der Lösung schon im eigenen Betrieb steht?
Über 1,3 Millionen arbeitslose Helfer*innen fanden 2025 rechnerisch keine Stelle in ihrem Wunschberuf. Gleichzeitig blieben 225.744 Fachkraftstellen unbesetzt.
Eine KOFA-Analyse hat nachgerechnet: Rund 38.200 dieser Stellen, also etwa jede sechste, ließen sich theoretisch füllen, wenn Helfer*innen sich zur Fachkraft weiterbilden. Die Autoren Jurek Tiedemann und Gero Kunath sehen darin eher die Untergrenze, denn nur 57 von 417 Fachkraftberufen sind direkt einer Helfertätigkeit zugeordnet – und viele wechseln ohnehin das Berufsfeld.
Pflege mit dem größten Potenzial
In der Altenpflege fehlen 15.233 Fachkräfte, zugleich sind 25.113 Helfer*innen arbeitslos. Rein rechnerisch würde das reichen, allerdings müssten knapp zwei Drittel von ihnen eine Qualifizierung durchlaufen.
In der Krankenpflege ginge die Rechnung selbst dann nicht auf: Wären alle arbeitslosen Helfer*innen weitergebildet, wäre nur gut ein Drittel der Lücke gedeckt. Da Pflegeberufe reglementiert sind, führt der Weg dort nur über einen formalen Berufsabschluss.
Was Betriebe tun können
Unternehmen sollten früh mit interessierten Beschäftigten ins Gespräch kommen und klar sagen, welche Aufgaben und welcher Verdienst nach dem Aufstieg warten. Auch Hürden wie ein vorübergehend geringeres Einkommen gehören offen auf den Tisch.
Teilqualifizierungen helfen, den Abschluss Schritt für Schritt zu erreichen. Kleine und mittlere Betriebe haben dabei einen Trumpf: Mentor*innen und Lernen direkt am Arbeitsplatz kommen gerade Geringqualifizierten entgegen.
Etwa jede sechste unbesetzte Fachkraftstelle ließe sich laut KOFA theoretisch durch Weiterbildung von Helfer*innen besetzen. Das größte Potenzial liegt in der Altenpflege.
(27.10.2026, prh)
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