Erfahrung versus Algorithmus: Der Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt
Ein Berufseinsteiger ohne Hochschulabschluss löst mithilfe eines intelligenten Chatbots komplexe Arbeitsaufgaben im Büro rasch und fehlerfrei. Solche Szenarien verändern aktuell die Personalplanung in deutschen Betrieben.
Veränderter Blick auf Qualifikation und Erfahrung
Unternehmen, die Künstliche Intelligenz einsetzen, hinterfragen zunehmend den Wert formaler Bildungsabschlüsse. Knapp 20 Prozent dieser Betriebe halten Hochschulabsolventen für leicht durch weniger qualifizierte Arbeitskräfte mit KI-Unterstützung ersetzbar.
Dies berichtete das ifo Institut im Juni zu einer Auswertung seiner Konjunkturumfrage. Rund 15 Prozent der Befragten stufen zudem langjährige Berufserfahrung als kompensierbar durch digitale Assistenzsysteme ein.
Unterschiedliche Betroffenheit nach Branchen
Besonders im Handel neigen Personalverantwortliche zu dieser Einschätzung. Dort betrachten 28,6 Prozent der Unternehmen Abschlüsse und 22,9 Prozent die Berufserfahrung als leicht ersetzbar. Dienstleister zeigen sich ebenfalls offen für diesen Wandel, während das Bauhauptgewerbe die geringste Ersetzbarkeit meldet.
Anna Ruffert vom ifo Institut kommentierte diese Ergebnisse so, dass traditionelle Kompetenzsignale durch KI verändert werde. Erfahrung erweise sich jedoch als etwas widerstandsfähiger gegen digitale Substitution als rein akademische Zeugnisse.
Gleichzeitig sieht eine deutliche Mehrheit von über 55 Prozent der Betriebe einen Ersatz von Fachkräften weiterhin als schwierig oder unmöglich an. Wichtig: Die Erhebung spiegelt Erwartungen der Unternehmen wider, keine bereits vollzogenen Entlassungen.
Einige Unternehmen sehen in KI-Werkzeugen eine Chance, akademische Abschlüsse oder Berufserfahrung durch angelerntes Personal zu ersetzen. Besonders der Handel zeigt sich offen für diesen strukturellen Wandel.
(09.09.2026, prh)
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