Lesen können reicht nicht – Deutschland im OECD-Vergleich
Grundbildung: Jeder dritte Erwachsene rechnet und liest zu schlecht
Fast ein Drittel der Erwachsenen in den OECD-Ländern kommt im Alltag oder Beruf nicht sicher mit Lesen und Rechnen zurecht. Das zeigt eine neue OECD-Auswertung der PIAAC-Studie 2023. In elf von 27 untersuchten Ländern ist der Anteil in den letzten zehn Jahren gestiegen, nur Dänemark und Finnland konnten ihn senken.
Deutschland zählt zu den Ländern mit tiefen Defiziten
Die Unterschiede sind groß: In Japan gilt nur etwa jeder Achte als gering literalisiert, in Chile weit über die Hälfte.
Deutschland liegt mit 26 Prozent knapp unter dem OECD-Schnitt, zählt aber trotzdem zu den Ländern mit »tiefen Defiziten«. Anders als in Ländern wie Kanada oder Polen sind Geringqualifizierte hierzulande im Schnitt noch weiter von ausreichenden Kompetenzen entfernt – kurze Kurse würden kaum helfen, nötig wären intensive, langfristige Angebote.
Österreich und die Schweiz fallen in eine andere Kategorie: Dort ist vor allem die Lesekompetenz schwach, während das Rechnen gut funktioniert – ein Muster, das die Studie mit sprachlicher Integration verknüpft.
Weniger Job, weniger Lohn, schlechtere Gesundheit
Geringe Grundkompetenzen wirken sich handfest aus: Betroffene sind rund ein Drittel seltener erwerbstätig und verdienen im Schnitt rund fünf US-Dollar weniger pro Stunde.
In Deutschland ist die Erwerbslücke besonders groß, in der Schweiz die Lohnlücke sogar die höchste im Vergleich. Hinzu kommen schlechtere Gesundheit und weniger Vertrauen in andere Menschen.
Weiterbildung erreicht die Falschen
Besonders bitter: Wer Unterstützung am nötigsten hätte, nutzt sie am seltensten. Gering qualifizierte Erwachsene nehmen nur halb so oft an Weiterbildung teil wie der Rest der Bevölkerung – ein Kreislauf, den die Studie als »Matthäus-Effekt« bezeichnet.
Wirksamer als klassische Werbung ist die direkte Ansprache über vertraute Stellen wie Betriebe oder Gewerkschaften, kombiniert mit praxisnahem Lernen am Arbeitsplatz. Als Beispiel nennt der Bericht das deutsche Smartphone-Projekt ABC+.
Die Autoren fordern deshalb aktive statt passiver Angebote – und mehr Prävention schon in der frühen Kindheit.
Fast ein Drittel der Erwachsenen in OECD-Ländern liest oder rechnet zu schlecht für den Alltag. Deutschland zählt zu den Ländern mit tiefen Defiziten – Weiterbildung erreicht ausgerechnet die Betroffenen am seltensten.
(28.07.2026, prh)
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